Uni-München
14. März 2017Seminar Geschichtsbilder und künstlerische Archivprojekte in Afrika
Gehört(e) die Darstellung historischer Ereignisse zu den zentralen Themen der euroamerikanischen Kunstgeschichte, so ließe sich fragen, wie in Afrika Vergangenes verhandelt, sichtbar und vorstellbar gemacht wird. Thema des Seminars sind demnach Formen und Praktiken des Erinnerns, der Auseinandersetzung mit Geschichte...
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Jetzt Lernplan erstellenGehört(e) die Darstellung historischer Ereignisse zu den zentralen Themen der euroamerikanischen Kunstgeschichte, so ließe sich fragen, wie in Afrika Vergangenes verhandelt, sichtbar und vorstellbar gemacht wird. Thema des Seminars sind demnach Formen und Praktiken des Erinnerns, der Auseinandersetzung mit Geschichte und ‚ihrer Materialien.‘ Regionale Schwerpunkte bilden Nord- und Südafrika sowie Teile der arabischen Welt. Dabei gilt es zunächst mit einem Rekurs auf ältere, gleichwohl beständig aktualisierte Geistarchive, Strategien der Verkörperung von historischer Erfahrung in Besessenheitskulten zu diskutieren. Ebenso an der Schnittstelle von älteren (‚traditionellen‘) und neueren Formen des Erinnerns verortet, ist die Frage nach dem Zusammenspiel von Oralität, Schriftlichkeit und Bildern, etwa in der gemalten Geschichte Zaires von Tshibumba Kanda Matulu: der Bedeutung von Artefakten als Erinnerungsstütze wird ebenso nachgegangen wie ‚gewebten Erinnerungen‘ in der zeitgenössischen visuellen Kultur. Hauptgegenstand des Seminars jedoch werden rezente künstlerische Zugänge zu Geschichte und Archiv, zur Auseinandersetzung mit Vergangenheit, mit Geschichte als kultureller und politischer Konstruktion sein: Wie unterscheiden sich (polyphone) künstlerische Archiv-Projekte von staatlich organisierten Erinnerungspolitiken? Zahlreich sind auch im afrikanischen und arabischen Kontext die Beispiele künstlerischer Recherchen in (bislang) verborgenen und marginalisierten Archiven (Santo Mofokeng, Zineb Sedira) oder der Verwendung historischen Bild- und Filmmaterials in der Gegenwartskunst (Sammy Baloji, Mudi Yahaya, Michele Magema). Arbeiten von Wael Shawky, Walid Raad, Hala El Koussy, oder Penny Siopis – um nur einige zu nennen – stehen im Fokus. Anhand von Referaten und Diskussionen wie auch durch gelegentliche gemeinsame Textlektüre soll diesen Fragen nachgegangen werden.
Department Kunstwissenschaften
LMU München
WiSe 1415
Univ.Prof.Dr.
Pinther Kerstin