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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Gibt es eigentlich noch abweichendes Verhalten Themen der Devianzsoziologie

In der Soziologie des abweichenden Verhaltens ist seit einiger Zeit von einem -Ende der Devianz- die Rede: Eine Linie der Argumentation sieht die Pluralisierung und die soziologische Verschiebung der Diskussion zu Reaktionen als Ursachen dafür, dass klassische Ideen von -Abweichung-...

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In der Soziologie des abweichenden Verhaltens ist seit einiger Zeit von einem -Ende der Devianz- die Rede: Eine Linie der Argumentation sieht die Pluralisierung und die soziologische Verschiebung der Diskussion zu Reaktionen als Ursachen dafür, dass klassische Ideen von -Abweichung- hinterfragt werden müssten (Sumner), eine andere Linie sieht vor allem Institutionen auf Basis von Risiko- anstelle von normativen Erwägungen entscheiden (Groenemeyer). In der Soziologie wurde in Folge diskutiert, ob -Devianz- einfach zu oft verwendet und damit überstrapaziert wurde (Best), ob -soziale Kontrolle- einfach eine komplexere Form des Ausdrucks derselben Problematik sein könnte (Dellwing) oder ob -Devianz- als zumindest rhetorisches Ordnungsprinzip sozialer Kontrolle unerlässlich ist (Adler/Adler). Das Seminar möchte nach einer kurzen Einführung in die Soziologie des abweichenden Verhaltens und sozialer Kontrolle und die Diskussion zum -Ende- der Devianz (-Death of Deviance- sagt dramatisch Sumner) eine praktischere Linie verfolgen. Es geht uns um die normative Darstellung von Entscheidungen auf Vorderbühnen und die Rückverfolgung dieser Fassadennarrative in institutionellen Umfeldern, um die Interaktionskonflikte zurückzuverfolgen, die an der Grundlage der Setzung der Kontrollrichtlinien stehen. Institutionen, die ihre Handlungen als normativ gebotenen Schutz ihres Klientels darstellen, sind hinter den Kulissen in der Regel von der Vermeidung dieser Konflikte animiert: Sie meiden Klagerisiken, PR-Probleme, Konflike mit staatlichen und privaten Regulierungs- und Akkreditierungsinstanzen und mit Versicherungen. Hierzu sollen Studierende im zweiten Teil des Seminars in dazu designierten Wochen Gespräche mit Personen an verschiedenen Positionen von Institutionen und mit Privatleuten führen, um zu durchdringen, wie normative Schilde vorgegeben werden, hinter denen sich jedoch aktive und potentielle Interaktionskonflikte verstecken. Die Ergebnisse dieser Gespräche wird gemeinsam diskutiert, um gemeinsam das Vertrauen in die öffentlichen Darstellungen von Institutionen zu verlieren (eine Kernkompetenz von SoziologInnen). Seminarteilnehmende müssen hierzu Personen selbständig akquirieren, mit denen über diese Themen gesprochen werden kann, und Gespräche führen, dann die Erkenntnisse hieraus in einer breiteren Hausarbeit zum Thema Devianz und Interaktion mitverwenden. Nähere Informationen zum Ablauf werden im Seminar mitgeteilt. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2014/15 Soziologie HF Dr. Dellwing Michael