Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Körper und Gesundheit im aktivierenden Sozialstaat
In der Soziologie war – bis auf wenige Ausnahmen – der homo sociologicus ein körperloses Wesen. Dass Menschen immer und überall körperlich existieren, schien die Disziplin nicht wahrzunehmen – und so waren es vor allem Ethnologie, Anthropologie oder Teile der...
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Jetzt Lernplan erstellenIn der Soziologie war – bis auf wenige Ausnahmen – der homo sociologicus ein körperloses Wesen. Dass Menschen immer und überall körperlich existieren, schien die Disziplin nicht wahrzunehmen – und so waren es vor allem Ethnologie, Anthropologie oder Teile der Philosophie, die in den Geisteswissenschaften die körperliche Dimension des Mensch-Seins systematisch thematisierten. Seit einigen Jahren hat sich, ausgehend von einer radikalen Kritik an der herkömmlichen Körperlosigkeit einerseits und bereichert insbesondere durch die Frauen- und Geschlechterforschung andererseits auch im deutschsprachigen Raum die -Körpersoziologie- zu einem Teil des institutionellen und intellektuellen soziologischen Feldes entwickelt. Für die soziologische Theorie ist dieser body turn von besonderer Bedeutung, weil er mit dem Anspruch verbunden ist, den für die meisten soziologischen Theorietraditionen grundlegenden, auf Descartes zurückgehenden Dualismus von Körper und Geist zu überwinden. Auch die Themen -Gesundheit- und -Krankheit- sind infolge der langjährigen Körperlosigkeit der Disziplin erst in der jüngeren Vergangenheit verstärkt ins Zentrum des Interesses gerückt. Neben grundlegend einführenden Texten zu Körper(lichkeit) und Gesundheit/Krankheit aus soziologischer Perspektive widmet sich das Seminar zeitdiagnostischen Analysen, d.h. der Adressierung/Bedeutung von Körpern im flexiblen Kapitalismus und dem Wandel von Gesundheit/Krankheit und Gesundheitsversorgung im aktivierenden Sozialstaat. Wie hat sich die Rolle des Körpers im Übergang von der fordistischen Industriegesellschaft zur flexiblen Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft verändert? Konkret geht es u.a. um folgende Themen: Attraktivität und Status in der Konsumgesellschaft, Schönheitschirurgie und Anti-Aging als Praktiken der Körpermodifikation, der Wandel des Geschlechtskörpers, die Individualisierung von Gesundheitsverantwortung, Gesundheit und soziale Ungleichheit, Organspende, Debatten um gesunde Ernährung und Ernährungserziehung, die Problematisierung von Fettleibigkeit im aktivierenden Staat (so die Ministeriumskampagne -Fit statt fett-), Burnout als populäre Zivilisationserkrankung oder die Medikalisierung der Gesellschaft am Beispiel von ADHS.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SoSe 2015
Politik und Wirtschaft
Politik und Wirtschaft Zweitfach
Prof. Dr.
Dyk van Silke