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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Haben Menschen ein Geschlecht

»Es ist ein Junge!« (oder: »Es ist ein Mädchen!«) - Mit diesem Satz beginnt typischerweise das Leben eines Menschen. Doch warum fällt als erstes ausgerechnet dieser Satz? Was genau passiert in diesem Augenblick? Wird bloß etwas Offensichtliches ausgesprochen? Oder wird...

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»Es ist ein Junge!« (oder: »Es ist ein Mädchen!«) - Mit diesem Satz beginnt typischerweise das Leben eines Menschen. Doch warum fällt als erstes ausgerechnet dieser Satz? Was genau passiert in diesem Augenblick? Wird bloß etwas Offensichtliches ausgesprochen? Oder wird von diesem Augenblick an eine Wirklichkeit mit weitreichenden Konsequenzen überhaupt erst heraufbeschworen? In der Geschichte wie in der Gegenwart benutzen sehr viele Gesellschaften die Kategorie Geschlecht, um ihre soziale Ordnung zu strukturieren, um Arbeit zu verteilen, Verhaltenserwartungen festzulegen und um die Verteilung unterschiedlicher Lebenschancen zu rechtfertigen. Welche Deutung der Kategorie »Geschlecht« in verschiedenen Kulturen gegeben wurde und wird, ist dabei sehr unterschiedlich (ebenso wie die Begründungen hierfür), aber auf die eine oder andere Weise nutzt praktisch jede Gesellschaft das »Geschlecht«, um darum herum eine eigene Wirklichkeit zu bauen. In westlichen Gesellschaften hat im Laufe des 20. Jahrhunderts eine umfassende kritische Auseinandersetzung mit der Kategorie »Geschlecht« stattgefunden. Aus der politischen Kritik von Frauen an ihren eingeschränkten Partizipations-, Bildungs- und Lebenschancen hat sich ein umfassenden Forschungsfeld entwickelt, das immer neue Sichtweisen auf das Thema hervorgebracht hat. Aus soziologischer Sicht kommt hinzu, dass die Kategorie »Geschlecht« nicht nur ein bestimmender Faktor individueller Identität und Lebenswirklich und ein Strukturgeber sozialer Ungleichheit ist, sondern dass sich am Themenfeld »Geschlecht« und «Geschlechterverhältnisse« praktisch alle sozialen Grundsatzthemen wiederspiegeln: Macht, Ungleichheit, Sozialisation und Identitätsbildung, Konstruktion von Wirklichkeit, Wissenschafts- und Medizinsoziologie usw. Nicht zuletzt lässt sich an der Kategorie »Geschlecht« die Reichweite des Deutungsmusters »Natur« erörtern. Das Seminar beginnt mit klassischen historischen Positionen der (feministischen) Kritik von Geschlechterverhältnissen und behandelt dann einbreites Spektrum von aktuellen Ansätzen: konstruktivistische und interaktionistische Sichtweisen, Kritik am Konzept der Zweigeschlechtlichkeit, Männerforschung usw. Vorbereitende Lektüreempfehlungen - Becker, Ruth / Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie, 2., erweiterte und aktualisierte Auflage Wiesbden 2008 - Becker-Schmidt, Regina: Feministische Theorien zur Einführung, Hamburg 2000 - Bergmann, Franziska / Schößler, Franziska / Schreck, Bettina (Hrsg.): Gender Studies, Bielefeld 2010 - Braun, Christina von (Hrsg.): Gender Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien, 2., erg. Aufl. Köln 2009 - Kroll, Renate (Hrsg.): Metzler-Lexikon Gender studies, Geschlechterforschung. Ansätze - Personen - Grundbegriffe, Stuttgart 2002 - Schößler, Franziska: Einführung in die Gender Studies, Berlin 2008 - Vogel, Ulrike (Hrsg.): Meilensteine der Frauen- und Geschlechterforschung. Originaltexte mit Erläuterungen zur Entwicklung in der Bundesrepublik, Weisbaden 2007 Sozialwissenschaften Universität Duisburg-Essen WS 2010/11 LA-Sowi, Lehrämter Sozialwissenschaften (E) Sozialwissenschaften