Seminar Weltseele Organismus Ermergenz Neuzeitliche Konzepte der Naturphilosophie Bruno Spinoza Schelling Maturana Varela
-Es ist gut, an dem Organismus der Natur Materie und Seele [...] zu unterscheiden. Deshalb zählen wir in diesem Organismus dreierlei Elemente: zuerst die in den Dingen waltende universelle Vernunft; zweitens die belebende Seele des Ganzen; drittens das Substrat.- Die...
Was lernst du wirklich?
In diesem Seminar tauchst du in die faszinierende Geschichte der Naturphilosophie ein, die sich mit der Idee einer "Weltseele" oder eines lebendigen Universums beschäftigt. Du verfolgst, wie Denker wie Bruno, Spinoza und Schelling die Natur als ein großes, beseeltes Ganzes verstanden haben und wie diese historischen Konzepte zu modernen Ideen von sich selbst organisierenden Systemen (Autopoiesis) und dem Entstehen neuer Eigenschaften (Emergenz) führen. So verstehst du, wie die Beziehung zwischen Materie und Geist über die Jahrhunderte hinweg gedacht wurde.
Das wirst du lernen
Du verstehst die zentralen Konzepte der Naturphilosophie wie Weltseele, Organismus, Autopoiese und Emergenz.
Du kannst die Entwicklung dieser Ideen von der Renaissance bis zur Gegenwart nachvollziehen und wichtige Denker wie Bruno, Spinoza und Schelling einordnen.
Du bist in der Lage, historische und moderne naturphilosophische Ansätze kritisch zu vergleichen und ihre Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herauszuarbeiten.
Du erkennst, wie alte philosophische Konzepte neue Impulse für aktuelle Debatten in der Systemtheorie und Biologie geben können.
Du kannst die komplexen Beziehungen zwischen Materie, Geist und dem Ganzen der Natur aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
Passende Berufsfelder
Wissenschaft und Forschung (insbesondere Philosophie, Wissenschaftsgeschichte, Umweltethik)Bildung und Lehre (z.B. als Philosophielehrer*in oder Dozent*in)Journalismus und Wissenschaftskommunikation (um komplexe Ideen verständlich zu vermitteln)Kulturmanagement und Verlagswesen (für die Aufbereitung und Vermittlung intellektueller Inhalte)Think Tanks und politische Beratung (bei Fragen zu Ethik, Nachhaltigkeit und ganzheitlichen Systemansätzen)
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-Es ist gut, an dem Organismus der Natur Materie und Seele [...] zu unterscheiden. Deshalb zählen wir in diesem Organismus dreierlei Elemente: zuerst die in den Dingen waltende universelle Vernunft; zweitens die belebende Seele des Ganzen; drittens das Substrat.- Die Naturphilosophie des italienischen Renaissancedenkers Giordano Bruno (1548-1600) lässt sich nicht vom Gedanken der Weltseele trennen. Das gesamte Universum bildet eine in sich belebte Einheit, in der alle Seinsformen und alle Prozesse von der Weltseele bewirkt und gesteuert werden. In der Folge wird das Universums selbst als ein -großes Lebewesen- (grande animale) verstanden, in dem alle Materie geistig durchdrungen und in einen sinnhaften Gesamtzusammenhang gefügt ist. Baruch de Spinoza (1632-1677) entwickelt mit der Formel -Gott oder die Natur- (deus sive natura) ein Naturverständnis, das von der Gleichsetzung von Gott und Natur ausgeht. Während das unendliche Wesen Gottes als ewige Substanz und schöpferische Natur (natura naturans) verstanden wird, bedeutet die hervorgebrachte Natur (natura naturata) den Inbegriff der Dinge als Modifikationen der Gottheit. Freilich erfahren die Konzeptionen Brunos und Spinozas in der weiteren Geschichte der Philosophie ein wechselvolles Schicksal, werden sie doch als Inbegriff pantheistischer Entwürfe zurückgedrängt. Im Jahr 1789 wird jedoch durch die Veröffentlichung gewisser Textauszüge durch Friedrich Heinrich Jacoby erneut die Aufmerksamkeit auf die Themen der beiden Autoren gelenkt. Angeregt von den Überlegungen Brunos erblickt Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854) in der Weltseele ein Prinzip, das die organische mit der anorganischen Natur verknüpft und zu einem -allgemeinen Organismus- fügt. In den Diskussionen der Gegenwart kann der Gedanke der Weltseele als Vorstufe zu Konzepten der Autopoiese und Emergenz interpretiert werden. So versuchen beispielsweise Humberto J. Maturana und Francisco J. Varela lebende Systeme von nicht lebenden Systemen abzugrenzen, indem es bei lebenden Systemen -keine Trennung zwischen Erzeuger und Erzeugnis- geben soll.
Das Seminar versucht, anhand der genannten Autoren einschlägige historische Positionen in der Entwicklung des modernen Verständnisses der Organisation von Lebewesen zu nachzuvollziehen.
Literatur:
Giordano Bruno, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen, aus dem Ital. übers. von A. Lasson, mit einer Einleitung von W. Beierwaltes, hrsg. von P. R: Blum, Philosophische Bibliothek Bd. 21, Hamburg 61983.
Baruch de Spinoza, Kurze Abhandlung von Gott, dem Menschen und dessen Glück, hg. von W. Bartuschat, Philosophische Bibliothek Bd. 91, Hamburg 1991.
Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph: Von der Weltseele Systems der Philosophie. Schriften von 1794-1798. Darmstadt 1980.
H. R. Maturana, F. J. Varela: Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens, Bern/München/Wien 52012.
FB 02 Institut für Philosophie
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Lehrveranstaltungspool FB 02
Dr.
Bönker Vallon Angelika