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Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar Kleine Literatur und Kleine Form

1. Kurzbeschreibung In seinen Weihnachten 1911 entstandenen Notizen fixierte Franz Kafka seine literaturtheoretischen Überlegungen in der denkbar knappsten Form. Dennoch kann das auf das Tagebuchfragment zurückgehende Literaturkonzept als eines der produktivsten Modelle literarischen Schreibens der jüngeren Zeit gelten. Verantwortlich dafür...

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1. Kurzbeschreibung In seinen Weihnachten 1911 entstandenen Notizen fixierte Franz Kafka seine literaturtheoretischen Überlegungen in der denkbar knappsten Form. Dennoch kann das auf das Tagebuchfragment zurückgehende Literaturkonzept als eines der produktivsten Modelle literarischen Schreibens der jüngeren Zeit gelten. Verantwortlich dafür ist Kafkas Konzeption einer egalitären Form von Literatur, die sich explizit vom -entsetzlichen Wesen- Goethes abwendet und es daher erlaubt, die kleine Literatur als klare Alternative zur >großenDas Seminar fokussiert einen spezifischen Bereich aus dem Spektrum der kleinen Literatur: Texte, die an der Schnittstelle von kleiner Literatur und kleiner Form angesiedelt sind. Schon in der Antike gibt es einen Bereich, der durch eine solche Verknüpfung von kleiner Form und kleiner Literatur gekennzeichnet ist. So existiert eine Geschichte des Kynismus’ heute nur deshalb, weil die -Weisheit der Hunde- anekdotisch tradiert wurde. Die Grundstruktur dazu liefert die apophthegmatische Anekdote mit der narrativen Trias von occasio, provocatio und dictum: -Als [Diogenes von Sinope] im Kraneion ein Sonnenbad nahm, trat Alexander [der Große] an ihn heran und sagte: >Erbitte von mir, was du willstGeh mir aus dem Licht!Ausgehend von dieser antiken >Gegenkulturgroßen Geschichte 2. Lernziele/Kompetenzen In diesem Seminar werden literaturtheoretische Fragestellungen diskutiert. Dabei lernen die Studierenden zentrale literaturtheoretische Positionen nicht nur kennen, sondern auch zu reflektieren und kritisch einzuordnen. In einer vertiefenden Auseinandersetzung mit literarischen Texten erweitern sie ihr literarisches und mediales Grundwissen, das sie mit Hilfe der unterschiedlichen Ansätze, Projekte und Positionen aus dem Bereich aktueller Literaturtheorien >ausleuchten 3. Teilnahmemodalitäten/Voraussetzungen Essay. 4. Modulprüfung Hausarbeit. 5. Eignung für angewandte Studiengänge Ja. 6. Weitere Angaben/Hinweise PRIMÄRLITERATUR: Diogenes von Sinope erzählt von Diogenes Laertios, aus dem Altgriechischen übersetzt, herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Kurt Steinmann, Zürich: Diogenes 1999; Franz Kafka, -Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse-, in: ders., Schriften. Tagebücher. Kritische Ausgabe, herausgegeben von Jürgen Born, Gerhard Neumann, Malcolm Pasley und Jost Schillemeit, Frankfurt am Main: S. Fischer 2002, Band 7, S. 350-377; Thomas Pynchon, V. Roman (1963), aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Dietrich Stössel und Wulf Teichmann, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1994; Peter-Paul Zahl, Die Glücklichen. Schelmenroman, Berlin: Rotbuch 1979. SEKUNDÄRLITERATUR: Sandra Beck, -Schelmische Utopien. Peter-Paul Zahls Die Glücklichen-, in: dies., Reden an die Lebenden und die Toten. Erinnerungen an die Rote Armee Fraktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2008 (= Mannheimer Studien zur Literatur- und Kulturwissenschaft 43), S. 35-50; Gilles Deleuze und Félix Guattari, -Was ist eine kleine Literatur?-, in: dies., Kafka. Für eine kleine Literatur (1975), aus dem Französischen übersetzt von Burkhart Kroeber, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1976 (= edition suhrkamp 807), S. 24-39; Gilles Deleuze, -Philosophie und Minorität-, in: Joseph Vogl (Hrsg.), Gemeinschaften. Positionen einer Philosophie des Politischen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994 (= edition suhrkamp 881), S. 205–207; Manfred Eikelmann, -Einfache Formen-, in: in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, gemeinsam mit Harald Fricke, Klaus Grubmüller und Jan-Dirk Müller herausgegeben von Klaus Weimar, Berlin-New York: Walter de Gruyter 1997-2003, Band 1, S. 422-424; Jan Henschen, -Die Glücklichen. Peter-Paul Zahl über Kreuzberger Alternativen, Militanz und Melancholie-, in: Cordia Baumann, Sebastian Gehrig und Nicolas Büchse (Hrsg.)., Linksalternative Milieus und Neue soziale Bewegungen in den 1970er Jahren, Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2011 (= Akademie-Konferenzen 5), S. 307-325; André Jolles, Einfache Formen. Legende/Sage/Mythe/Rätsel/Spruch/Kasus/Memorabile/Märchen/Witz (1930), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1958; Franz Kafka, -25. XII -, in: ders., Schriften. Tagebücher. Kritische Ausgabe, herausgegeben von Jürgen Born, Gerhard Neumann, Malcolm Pasley und Jost Schillemeit, Frankfurt am Main: S. Fischer 2002, Band 13, S. 312-319; Franz Kafka, -26. XII -, in: ders., Schriften. Tagebücher. Kritische Ausgabe, herausgegeben von Jürgen Born, Gerhard Neumann, Malcolm Pasley und Jost Schillemeit, Frankfurt am Main: S. Fischer 2002, Band 13, S. 319-324; Jürgen Link, Elementare Literatur und generative Diskursanalyse, München: Wilhelm Fink 1983; Michael Niehaus, -Die sprechende und die stumme Anekdote-, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 132 (2013) H. 2, S. 183-202; Manfred Pütz, -Thomas Pynchons V.: Geschichtserfahrung und narrativer Diskurs-, in: Heinz Ickstadt (Hrsg.), Ordnung und Entropie. Zum Romanwerk von Thomas Pynchon, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 75-103; Bernhard Siegert, -Maxwell und Faschoda. Pynchons Enden der Geschichte-, in: ders. und Markus Krajewski (Hrsg.), Thomas Pynchon. Archiv – Verschwörung – Geschichte, Weimar: Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften 2003, S. 15-45. Technische Universität Dortmund SoSe 2015 Institut für deutsche Sprache und Literatur Lachmann Tobias