Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Kleine Literaturen
In seinen Weihnachten 1911 entstandenen Notizen fixierte Franz Kafka seine literaturtheoretischen Überlegungen in der denkbar knappsten Form. Dennoch kann das auf das Tagebuchfragment zurückgehende Literaturkonzept als eines der produktivsten Modelle literarischen Schreibens der jüngeren Zeit gelten. Verantwortlich dafür ist Kafkas...
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Jetzt Lernplan erstellenIn seinen Weihnachten 1911 entstandenen Notizen fixierte Franz Kafka seine literaturtheoretischen Überlegungen in der denkbar knappsten Form. Dennoch kann das auf das Tagebuchfragment zurückgehende Literaturkonzept als eines der produktivsten Modelle literarischen Schreibens der jüngeren Zeit gelten. Verantwortlich dafür ist Kafkas Konzeption einer egalitären Form von Literatur, die sich explizit vom -entsetzlichen Wesen- Goethes abwendet und es daher erlaubt, die kleine Literatur als klare Alternative zur ‚großen’ Literatur der Klassik zu profilieren. Resultat dessen ist ein an Schreibprozessen interessiertes, nicht länger subjektzentriertes Konzept von Autorschaft, das der Maxime folgt, bei Literatur handele es sich um -eine Angelegenheit des Volkes-. Aufgegriffen, systematisiert und zusammen mit drängenden Fragen nach dem Verhältnis von Philosophie und Minorität weiterentwickelt vom Autoren-Duo Gilles Deleuze und Félix Guattari, entfaltete Kafkas Konzept sein eigentliches Potential dann im Umfeld der emanzipativen Bewegungen von 1968.
Diesem Potential möchte das Projektseminar -Kleine Literaturen nach 1968- in vier Schritten nachspüren. Zunächst wird das Konzept der kleinen Literatur ausgehend von Kafkas Tagebuchnotizen und dem Erzählungsband Der Hungerkünstler rekonstruiert, bevor es anhand der von Deleuze und Guattari beschriebenen Achsen von Sprache, Politik und Kollektiv operationalisiert werden wird. Nach einer Phase des Studiums exemplarischer literarischer Texte aus dem 68er-Kontext, findet das Seminar seinen Abschluss in einer an den Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer orientierten Erweiterung des Korpus’ minoritärer Literaturen.
PRIMÄRLITERATUR: Franz Kafka, -Ein Hungerkünstler-, in: ders., Schriften. Tagebücher. Kritische Ausgabe, herausgegeben von Jürgen Born, Gerhard Neumann, Malcolm Pasley und Jost Schillemeit, Frankfurt am Main: S. Fischer 2002, Band 7, S. 315-377; Jürgen Link, Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhrarmee. Eine Vorerinnerung, Oberhausen: asso 2008; Emine Sevgi Özdamar, Die Brücke vom goldenen Horn. Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1996; Peter-Paul Zahl, Die Glücklichen. Schelmenroman, Berlin: Rotbuch 1979.
SEKUNDÄRLITERATUR: Franz Kafka, -25. XII -, in: ders., Schriften. Tagebücher. Kritische Ausgabe, herausgegeben von Jürgen Born, Gerhard Neumann, Malcolm Pasley und Jost Schillemeit, Frankfurt am Main: S. Fischer 2002, Band 13, S. 312-319; Franz Kafka, -26. XII -, in: ders., Schriften. Tagebücher. Kritische Ausgabe, herausgegeben von Jürgen Born, Gerhard Neumann, Malcolm Pasley und Jost Schillemeit, Frankfurt am Main: S. Fischer 2002, Band 13, S. 319-324; Gilles Deleuze und Félix Guattari, -Was ist eine kleine Literatur?-, in: dies., Kafka. Für eine kleine Literatur (1975), aus dem Französischen übersetzt von Burkhart Kroeber, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1976 (= edition suhrkamp 807), S. 24-39; Gilles Deleuze, -Philosophie und Minorität-, in: Joseph Vogl (Hrsg.), Gemeinschaften. Positionen einer Philosophie des Politischen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994 (= edition suhrkamp 881), S. 205–207.
Deutsch LPO2003
Technische Universität Dortmund
SoSe 2013
Deutsch BaMa 2005 (Master)
Lachmann Tobias