Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Kontingenz Risiko und Unsicherheit 8211 Zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in der Moderne
Die Frage nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft beschäftigt die Soziologie seit ihrer Gründungszeit. Nicht nur, dass die Soziologie über dieses Grundlagenproblem ihren Gegenstandsbereich von den Nachbardisziplinen der Psychologie, Politik, Geschichte und Philosophie abgrenzen kann. Die Frage nach der...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Frage nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft beschäftigt die Soziologie seit ihrer Gründungszeit. Nicht nur, dass die Soziologie über dieses Grundlagenproblem ihren Gegenstandsbereich von den Nachbardisziplinen der Psychologie, Politik, Geschichte und Philosophie abgrenzen kann. Die Frage nach der Trennung und Vermittlung von Individuum und Gesellschaft führt darüber hinaus innerhalb der Disziplin gleichsam zu verschiedenen Formen sozialer Erklärungen. Denn diese lassen sich danach differenzieren, an welcher Seite die Erklärung angesetzt wird.
Das Seminar untersucht in ausgewählten Ansätzen die Frage nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in der Moderne und die Rolle, die Kontingenz, Risiko und Unsicherheit dabei eingeräumt wird. Durkheim zum Beispiel sieht die Gefahr anomischer gesellschaftlicher Zustände in einer negativen Form von Individualisierungsprozessen angelegt. Für Georg Simmel entspringt aus der Fremde, der Anonymität, in der Großstadt die Verhaltensform der Blasiertheit, die gleichsam moderne Formen des sozialen Umgangs miteinander überhaupt erst möglich macht. Für Pierre Bourdieu wirkt der Habitus, in seiner Vermittlung zwischen Akteur und Struktur, gleichsam stabilisierend und auch für Anthony Giddens läuft die Reproduktion sozialer Strukturen über Routinen oder Unsicherheit, die die Handlungsausrichtungen der Subjekte affizieren. In der Theorie radikalisierter Modernisierung wird Individualisierung fast vollständig mit einer Zunahme an Risiken gleichgesetzt und auch im gegenwärtigen Wandel von Erwerbsarbeit erscheinen, infolge von Veränderungen im Sozialstaat, neue Risiken und Unsicherheiten, die von den Erwerbstätigen aktiv bearbeitet werden müssen.
Angefangen bei den Klassikern, wird der Weg über Modernisierungstheorien genommen und endet bei zeitgenössischen Fragen des Wandels von Erwerbsarbeit.
Was die Arbeitsweise im Seminar betrifft, so bildet das Lesen, Durcharbeiten und verständliche Darstellen von Thesen, Annahmen und Ideen ausgewählter Autoren, anhand von Originaltexten sowie Sekundärliteratur, eine Grundvoraussetzung für eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Dazu ist auch eine regelmäßige Teilnahme erforderlich. Zudem bietet das Seminar einen Raum, sich in der wissenschaftlichen Präsentation zu erproben (z.B. Essaygruppen, Referate oder Protokolle).
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2012/13
Politik und Wirtschaft Zweitfach
Mönkeberg Sarah