Uni-Hannover
14. März 2017Helmuth Plessner 8222 Die Stufen des Organischen und der Mensch 8220
Die Frage nach dem Menschen ist so alt, wie das Fragen selbst. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab der Philosoph und Soziologe Helmuth Plessner gleichwohl eine sehr kluge Antwort darauf. Die prekäre Situation, in der sich der Mensch...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Frage nach dem Menschen ist so alt, wie das Fragen selbst. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab der Philosoph und Soziologe Helmuth Plessner gleichwohl eine sehr kluge Antwort darauf. Die prekäre Situation, in der sich der Mensch als Konzept und als Versprechen heute befindet, macht es im Rahmen von soziologischer Theorie mehr als lohnenswert, sich gerade mit Plessners Überlegungen, was der Mensch sei, auseinanderzusetzen. Denn bei ihm erlangt ein Begriff von Offenheit, der keine Beliebigkeit bedeutet, systematischen Stellenwert. Der Mensch, das ist keine überzeitliche Invariante, sondern selbst Gegenstand historischen Wandels.
Die anthropologischen Grundlagen sozialwissenschaftlicher Forschung rücken mit Plessner in spezifischer Weise in den Blick, weil die Frage aufgeworfen wird, worüber man spricht, wenn von Gesellschaft und deren Mitgliedern die Rede ist. Beispielsweise kann Plessners Unterscheidung zwischen zentrischer und exzentrischer Positionalität, also zwischen Tier und Mensch, helfen, auf anschauliche Weise eine differenzierte Vorstellung davon zu gewinnen, dass menschliche Individuen sich als solche über die Beziehungen, die sie eingehen, positionieren. In diesem Sinne sind sie keine festgelegten Identitäten, sondern auf die Überschreitung ihrer eigenen Grenzen und die Bestimmung ihrer Position innerhalb des Beziehungsgeflechts – in das sie untrennbar eingeflochten sind – ausgelegt, wobei auch dieses Geflecht als Gesellschaft sich aktualisiert und immer wieder formiert. Wie wird man, wozu man gemacht wird? Wie macht man sich zu dem, was man ist? Ausgehend von der Frage nach dem Menschen eröffnet sich durch Plessner zudem ein Rückblick auf Kants erkenntniskritisches Projekt und auf Elemente aus Hegels System als philosophische Grundlagen von Soziologie. Aber auch in aktuellen soziologischen Theorien findet Plessners Philosophische Anthropologie eine Art Renaissance, da diese im Ringen um den Menschen aktueller denn je zu sein scheint.
Dieses Lektüreseminar ist eine Kooperationsveranstaltung zwischen dem Institut für Soziologie und dem Institut für Philosophie. Darin sollen zum einen die philosophischen Grundlagen des Plessnerschen Ansatzes herausgearbeitet werden und zum anderen sollen diese Grundlagen auf ihr soziologisch-fundierendes und explanatives Potenzial hin geprüft werden. Das Seminar ist entsprechend so aufgebaut, dass in einem ersten Teil Philosophie betrieben wird, um im Anschluss daran, in einem zweiten Teil, Soziologie eröffnen zu können.
keine öffentliche Person
Universität Hannover
SoSe 2016
Werte und Normen, MA Lehramt Gymnasium
Dozent