Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-München
14. März 2017

Seminar Kulturhermeneutik des Christentums Veränderungen im Verständnis des Privaten als Herausforderung für Kirche und Theologie

Die Privatsphäre lässt sich durchaus als eine Erfindung der Aufklärungszeit beschreiben. Mit dem Entstehen der differenzierten, modernen Gesellschaft sondert sich der Bereich des Privaten vom Öffentlichen ab. Es ist dem Zugriff von Staat und Kirche entzogen und erstreckt sich im...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Die Privatsphäre lässt sich durchaus als eine Erfindung der Aufklärungszeit beschreiben. Mit dem Entstehen der differenzierten, modernen Gesellschaft sondert sich der Bereich des Privaten vom Öffentlichen ab. Es ist dem Zugriff von Staat und Kirche entzogen und erstreckt sich im Wesentlichen auf den Bereich der Familie. Dieser Dual forderte die Kirche und die Theologie schon im 19. Jahrhundert heraus, und zwar in einer doppelten Weise: Auf der einen Seite nämlich lässt sich ein privates Christentum nicht mehr so einfach durch die Kirche normieren, auf der anderen Seite werden nun aber auch Stimmen laut, die die Religion als Privatsache verstehen möchten und ihm den Öffentlichkeitsanspruch verwehren. Im 20. Jahrhundert bleibt die Verhältnisbestimmung zwischen privat und öffentlich gerade auch mit Blick auf die Religion prekär: In den Totalitarismen wird versucht, das Private immer stärker öffentlicher Normierung zu unterziehen, gleichzeitig wird dort die Religion offensiv ins Private abgedrängt. Im Kontext der 1968er kommt es dann zur Politisierung des Privaten – und die Kritik an einer der öffentlichen Regelung enthobenen Sphäre etwa in der Familie dauert bis heute an. Gleichzeitig aber konzentriert sich die Kirche etwa in der Kasualpraxis und auch in der Seelsorge immer mehr auf den Bereich des Privaten. In der Gegenwart haben wir es schließlich mit einer Ausweitung der Privatsphäre ebenso zu tun wie mit deren Zurückdrängung: Im Blick auf Datenschutz und Selbstbestimmung gibt es eine Ausweitung der Sphäre des Privaten, dagegen wird sie im Bereich der Familie immer stärker problematisiert. Im Seminar wollen wir uns anhand exemplarischer Problemkonstellationen die Bedeutung dieser Entwicklung für Kirche und Theologie erarbeiten. Sandra Seubert und Peter Niesen (Hg.): Die Grenzen des Privaten. Baden-Baden 2011. Bemerkung Arbeitsaufwand: Ca 4 Std Vor- bzw. Nachbereitung Voraussetzungen Proseminar in Praktischer und Systematischer Theologie Zielgruppe P / M / MANF Anselm, Reiner , Univ.Prof.Dr. Proseminar in Praktischer und Systematischer Theologie LMU München SoSe 2016 Prof.Dr. Albrecht Christian