Uni-München
14. März 2017Seminar Ländlichkeit und ländlicher Alltag 8211 aktuelle Entwicklungsprozesse Diskurse und Problemstellungen
Der ländliche Raum, seine Nutzung und Wahrnehmung, aber auch die Alltagarrangements und Selbstbilder seiner BewohnerInnen erleben gegenwärtig vielschichtige und mitunter gegenläufige Transformationen, die zunehmend von Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen in den Blick genommen werden. Viele ländliche Regionen Europas sind von Abwanderung,...
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Jetzt Lernplan erstellenDer ländliche Raum, seine Nutzung und Wahrnehmung, aber auch die Alltagarrangements und Selbstbilder seiner BewohnerInnen erleben gegenwärtig vielschichtige und mitunter gegenläufige Transformationen, die zunehmend von Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen in den Blick genommen werden. Viele ländliche Regionen Europas sind von Abwanderung, Überalterung und dem Rückbau der Infrastruktur betroffen. Wo Ärzte, Dienstleistungen, Arbeit und Versorgungsmöglichkeiten fehlen, Bus- und Bahnlinien stillgelegt werden und gesellschaftliche Teilhabe hochgradig an Mobilität gebunden ist, entstehen neue Strategien der Alltagsorganisation, Existenzsicherung und Beheimatung. Zugleich verändern gesellschaftlicher Wandel und technische Innovationen (z.B. Flexibilisierungen und Entgrenzungen in der Arbeitswelt, Europäisierung, sanfter Tourismus, Digitalisierung) die Handlungsmöglichkeiten und Selbstpositionierungen in boomenden wie in schrumpfenden Dörfern. Sie verschieben Machtverhältnisse, bringen neue Akteure in ländliche Regionen, produzieren veränderte Logiken und Narrative, schaffen neue Konfliktfelder und Grenzziehungen. Ländlichkeit, landwirtschaftliche Arbeit und ländlicher Raum erweisen sich dabei auch als sinnlich hochaufgeladene Kategorien, die inszeniert, kommodifiziert und ästhetisiert werden, wie etwa der aktuelle Erfolg von Bauern- und Landmärkten, die Etablierung des Agrartourismus und Regionalmarken sowie vielgelesene Zeitschriften wie ‚Landlust‘ zeigen. Zugleich sind diese Kategorien Bezugsrahmen über den in urbanen wie ruralen Kontexten Fragen nach Partizipation und Gerechtigkeit, fairem Konsum und dem guten Leben ausgehandelt werden. Symbolische Raumaneignungen und Interventionen urbaner GärtnerInnen und die Versuche von ‚Raumpionieren‘ neue Impulse in vermeintlich abgehängte Dörfer zu tragen, sind zwei Beispiele, die medial besonders viel Aufmerksamkeit erfahren.
Das Seminar setzt sich mit dem Themenkomplex Ländlichkeit, ländlicher Wandel und ländlicher Alltag auseinander. Anhand jüngerer sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschungsarbeiten aus unterschiedlichen europäischen Kontexten sollen aktuelle Entwicklungen, Diskurse und Problemstellungen in den Blick genommen und gemeinsam kritisch reflektiert werden. Gefragt wird etwa nach Vorstellungen und Diskursen über Ländlichkeit und die richtige ländliche Entwicklung, nach der Aushandlung, Kommodifizierung und sozialen Repräsentation ländlicher Identität und Lebensentwürfe, sowie nach Veränderungen, aber auch nach Kontinuitäten von Alltagsgestaltung, Mobilitätspraxen, Governance und Einkommenssicherung in ländlichen Gemeinden.
Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde
B.A. Hauptfach Volkskunde/Europ. Ethnologie:
6 ECTS, benotet (Modulprüfung mit WP 3.2), Hausarbeit. Voraussetzung für die Abgabe der Hausarbeit ist der bestandene Teilnahmetest am Ende der Vorlesung WP 3.2.
B.A. Nebenfach Vergl. Kultur- und Religionswissenschaft:
4 ECTS, Hausarbeit oder Klausur, benotet (Modulprüfung mit WP 19.1)
LMU München
WiSe 1617
Decker Anja