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14. März 2017Seminar Lateinamerikas linke Helden Mythen und Realitäten
Die Hinwendung zweier lateinamerikanischer Länder zum Sozialismus fand in den 60er und 70er Jahren besonderes internationales Interesse: Nach einem mehrjährigen Guerillakampf übernahm eine Gruppe junger Revolutionäre im Jahr 1959 die Macht in Kuba. 1961 erklärte Revolutionsführer Fidel Castro den -sozialistischen...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Hinwendung zweier lateinamerikanischer Länder zum Sozialismus fand in den 60er und 70er Jahren besonderes internationales Interesse: Nach einem mehrjährigen Guerillakampf übernahm eine Gruppe junger Revolutionäre im Jahr 1959 die Macht in Kuba. 1961 erklärte Revolutionsführer Fidel Castro den -sozialistischen Charakter- der Revolution. Einer seiner wichtigsten politischen Partner war der Argentinier Ernesto -Che- Guevara, der in den ersten Jahren nach der Machtübernahme wichtige Schlüsselressorts inne hatte und als das -Hirn der Revolution- galt.
Keinen revolutionären, sondern einen reformerischen Weg zum Sozialismus schlug Salvador Allende ab 1970 in Chile ein. Er war der erste Marxist, der aus freien und geheimen Wahlen das Präsidentenamt eroberte – sowohl in Chile als auch weltweit.
Während in Kuba noch heutzutage die -permanente Revolution- zelebriert wird und das Castro-Regime nach wie vor die Geschicke des Landes bestimmt, fand Allendes Regierung in Chile am 11. September 1973 mit dem Putsch einiger Generäle, darunter der spätere Diktator Augusto Pinochet, ein jähes Ende. In einem symbolisch bedeutsamen Akt nahm sich Präsident Allende das Leben. Bis heute wird er nicht nur in linken Kreisen als politischer Märtyrer verehrt, der für hehre Ziele, vor allem soziale Gerechtigkeit kämpfte und schließlich sogar für seine Überzeugungen das Leben ließ.
Auch die kubanische Revolution und ihre Hauptakteure umranken tief verankerte und weit verbreitete Mythen. Fidel Castro erwarb sich den Ruf eines olivgrün gekleideten Robin Hood der Karibik, der die Reichen enteignete und die Reichtümer dem Volk zukommen ließ. Und das Konterfei Che Guevaras, des -Christus mit der Knarre-, ist noch heute, fast 45 Jahre nach dessen Tod, auf T-Shirts, Schlüsselanhängern, Feuerzeugen usw. abgebildet, die sich vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen großer Beliebtheit erfreuen.
Das Seminar will den kubanischen und den chilenische Weg zum Sozialismus ergründen und Unterschiede herausstellen. Neben den Fakten sollen auch die geschichtlichen Mythen untersucht werden, die die Ereignisse und die Hauptakteure umranken. Es soll untersucht werden, welche Mythen warum entstanden sind und welche Rolle sie bis heute spielen.
Einführende Literatur:
Michael Zeuske: Kleine Geschichte Kubas, 3. überarb. und aktualisierte Aufl., München: Beck, 2007; Richard Gott: Cuba, una nueva historia, Tres Cantos / Madrid: Akal, 2007; Michael Zeuske: Traditionen, Gegenwart und Zukunft der kubanischen Revolution, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 41-42/2010, S. 25-31; Stefan Rinke: Kleine Geschichte Chiles, München: Beck, 2007; Peter Imbusch (Hg.) u.a.: Chile heute. Politik, Wirtschaft, Kultur, Frankfurt: Vervuert, 2004; Nikolaus Werz (Hg.): Populisten, Revolutionäre, Staatsmänner. Politiker in Lateinamerika, Frankfurt: Vervuert, 2010; Volker Skierka: Fidel Castro. Eine Biographie, 5. Aufl., Reinbek: Rowohlt, 2008; Peter Jacobs / Waltraud Hagen: Salvador Allende. Eine Chronik, Berlin: Neues Leben, 2008; Stephan Lahrem: Che Guevara, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005.
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