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Uni-München
14. März 2017

Seminar Liebe und Freiheit zwischen Feldkonzepten und wissenschaftlicher Theorie

Dieses Seminar beschäftigt sich mit Teilaspekten meines Promotionsprojektes, das ich zurzeit am Institut für Ethnologie unter dem Arbeitstitel -‚Freie Liebe‘ – Vorstellung, Praxis und Reflexion einer Idee zwischen ‚alternativer‘ Szenekultur und übergreifenden Diskursen- durchführe. Grundidee des Seminares ist es, (erotische/partnerschaftliche)...

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Dieses Seminar beschäftigt sich mit Teilaspekten meines Promotionsprojektes, das ich zurzeit am Institut für Ethnologie unter dem Arbeitstitel -‚Freie Liebe‘ – Vorstellung, Praxis und Reflexion einer Idee zwischen ‚alternativer‘ Szenekultur und übergreifenden Diskursen- durchführe. Grundidee des Seminares ist es, (erotische/partnerschaftliche) -Liebe- als soziokulturelles Konstrukt aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Dabei sollen sowohl Ansätze aus anderen Disziplinen wie der Biologie, Neurowissenschaft und Soziologie, als auch ethnographische Darstellungen unterschiedlicher Konzepte von Liebe, Sexualität und Partnerschaft aus verschiedenen kulturellen Kontexten kennengelernt werden. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem europäischen Konstrukt der -Romantischen Zweierbeziehung-, dessen Entstehungsgeschichte – seine Einbettung in sozioökonomische Verhältnisse, Normalisierung in Literatur und Film, Institutionalisierung und -Naturalisierung- – beleuchtet werden soll. Ziel dieses historisch-diskursanalytischen Vorgehens ist die dekonstruktive Auseinandersetzung mit einem Konzept der eigenen Kultur und dessen historischem Wandel. Letzterer wird sowohl an verschiedenen Formen der kulturellen Aneignung des europäischen Gefühlsmodells, als auch an den Debatten im hiesigen Diskurs deutlich. Dem chronologischen Ablauf folgend, wenden wir uns der zeitgenössischen Kulturkritik an der -Korrumpierung- des romantischen Liebesideals durch eine -Welt der unendlichen Möglichkeiten- (Hillenkamp) und einen -emotionalen Kapitalismus- (Illouz) zu, welche ihr sozialwissenschaftliches Pendant im Theorem der -Ökonomisierung des Sozialen- (Broeckling) finden. Der letzte Block widmet sich dem Konzept der -freien Liebe-, seinen Spielarten und seiner Geschichte, den dahinterstehenden Konzepten von -Liebe- und -Freiheit- und verschiedenen Institutionalisierungen und Beziehungsmodellen. Abschließend soll die Diskussion im Seminar in eine kritische Reflexion des Begriffes -Freiheit- im neoliberalen Diskurs und dessen Wechselwirkung mit der Idee der -freien Liebe-, sowie der Möglichkeit und des eventuellen Sinnes einer Definition von -Freiheit- im sozial- und kulturwissenschaftlichen Kontext münden. Vor dem Hintergrund dieses Themenkomplexes findet auch eine Einführung in den Foucaultschen Begriff der Gouvernementalität und den Gebrauch des Begriffes Neoliberalismus in der Ethnologie statt. Ziele sind also: (1) Die Anwendung des konstruktivistischen Paradigmas auf Phänomene des eigenen kulturellen und geistesgeschichtlichen Kontextes – eine Übung im -Verfremden des Eigenen-; (2) Das Kennenlernen konkreter ethnographischer Arbeiten zum Thema sexueller und partnerschaftlicher Beziehungen, sowohl aus klassisch-ethnologischen Bereichen wie der Verwandtschaftsethnologie, als auch aus neueren Forschungsbereichen wie der Aneignungsforschung und solchen, die durch Gruppierungen wie die polyamore Bewegung oder bestimmte urbane Szenen (in denen ich selbst forsche), entstehen; (3) Das Kennenlernen und die Reflexion bestimmter analytischer Begriffe der Sozialwissenschaften (Kommodifizierung, Gouvernementalität, Neoliberalismus, Alternativität und Freiheit), ihres Nutzens und der Grenzen ihrer Anwendbarkeit auf ethnologische Arbeit. B.A.: Hausarbeit, 6 ECTS, benotet M.A. Themenfelder: Hausarbeit oder Übungsaufgaben, 6 ECTS, benotet M.A. Profilveranstaltung: Hausarbeit oder Übungsaufgaben oder Thesenpapier, 6 ECTS, unbenotet LMU München SoSe 2015 Fakultät für Kulturwissenschaften