Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Literatur und Radio Grundstudium 2.2
Seit Beginn des öffentlichen Rundfunks in Deutschland im Jahr 1923 dient das Radio einerseits als Gedächtnismedium für Literatur, andererseits als Ort neuer literarischer Produktion. Schreiben für den Rundfunk bedeutete vor allem Anpassung an die Bedingungen des Mediums. Während der Zeit...
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Jetzt Lernplan erstellenSeit Beginn des öffentlichen Rundfunks in Deutschland im Jahr 1923 dient das Radio einerseits als Gedächtnismedium für Literatur, andererseits als Ort neuer literarischer Produktion. Schreiben für den Rundfunk bedeutete vor allem Anpassung an die Bedingungen des Mediums. Während der Zeit der Weimarer Republik wurden verschiedene Diskussionen zu den Möglichkeiten und Grenzen des Rundfunks und insbesondere seiner originären Kunstform, dem Hörspiel, geführt. Alfred Döblin schrieb seinen Roman Berlin Alexanderplatz den spezifischen Eigenheiten des neuen Mediums entsprechend zum Hörspiel um, während Brecht sein Episches Theater auf das Radio zu übertragen versuchte und damit zugleich den Rundfunk zu revolutionieren gedachte. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Rundfunk ebenso zum Propagandainstrument wie zum Instrument der Gegenpropaganda: Hörspiele von Exilanten dienten dazu, ein nicht faschistisches Deutschlandbild aufrecht zu erhalten, während sich Thomas Mann mit seinen BBC-Reden direkt an die Bevölkerung im Nazideutschland richtete. In der Nachkriegszeit erlebte das Radio dann eine literarische Blütezeit, in der zahlreiche Autoren der Gruppe 47 für den Rundfunk arbeiteten. Ingeborg Bachmann, Martin Walser, Alfred Andersch, Günter Eich u.v.m. schrieben Hörspiele und Features, gaben Lesungen oder arbeiteten als Redakteure in den Kulturabteilungen der Anstalten. Durch die zunehmende Konkurrenz des Fernsehens, das das Radio als Leitmedium verdrängte, suchte das Hörspiel Ende der 60er Jahre nach neuen Formen und entwickelte unter dem Einfluss der konkreten Poesie das sogenannte Neue Hörspiel, bei dem Geräusch und Musik gleichberechtigt neben dem gesprochenen Wort stehen. Seither hat sich eine breite Hörspiellandschaft entwickelt, nicht zuletzt, weil sich das Hörspiel von der Literatur emanzipiert hat und auch von Musikern wie Schorsch Kamerun von der Punk-Band -Die Goldenen Zitronen- oder der Band -Einstürzende Neubauten- entdeckt wurde. Für das Seminar ist bei Moodle bereits eine eigene Plattform eingerichtet. Dort findet sich neben einer ausführlicheren Seminarbeschreibung auch eine Übersicht zu den einzelnen Sitzungen. Studierende, die die vorlesungsfreie Zeit zur Vorbereitung einer Sitzungsgestaltung nutzen möchten, können sich gerne per Email mit mir in Verbindung setzen. Ein Semesterapparat ist eingerichtet, Material für die Ohren steht zur Verfügung.
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
WS 2007/2008
Dr.
Maubach Bernd