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Uni-Siegen
14. März 2017

Seminar MA am gr Urtext Der Galaterbrief

Der leidenschaftliche und polemische Brief des Apostels Paulus an Gemeinden von Galatien ist das große Dokument der -Freiheit vom Gesetz- (Gal 5,13), zu der uns Christus durch seinen Fluchtod am Kreuz befreit (3,13), so dass wir -in Christus- nun -neue...

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Der leidenschaftliche und polemische Brief des Apostels Paulus an Gemeinden von Galatien ist das große Dokument der -Freiheit vom Gesetz- (Gal 5,13), zu der uns Christus durch seinen Fluchtod am Kreuz befreit (3,13), so dass wir -in Christus- nun -neue Schöpfung- sind (6,15). Gerade dieser Brief hat wie kein anderer in der Kirchengeschichte zu produktiven Spannungen und massiven Verwerfungen geführt. Die Erarbeitung der hier von Paulus argumentativ entfalteten -Wahrheit des Evangeliums- und die Rückbindung an ihre historische Situation gehören daher zu den Kernaufgaben der wissenschaftlichen Exegese. Charakteristisch für den Galaterbrief ist die unlösbare Verbindung von Person (-Apostolat-) und Sache (-Evangelium-). Deswegen antwortet Paulus auf die Bestreitung seines Apostelamtes und seines Evangeliums mit einer ausführlichen autobiographischen narratio (1,13–2,21), die wertvolle Informationen über Selbstverständnis, Berufung und die frühen Jahre des Apostels bereithält. Sie mündet in eine grundlegende Formulierung seiner (später so genannten) Rechtfertigungslehre (2,16), deren eigentliches Zentrum – das -Sein in Christus- (2,19f.) – in den Auseinandersetzungen der späteren Jahrhunderte oft in den Hintergrund geriet. Ihr entspricht die am Ende des Briefes eigenhändig nachgetragene weitere Summarium (6,11–18). Zwischen diesen beiden Eckpfeilern entfaltet Paulus eine großangelegte argumentatio (3,1–5,12): Das Vorhaben der von Paulus zum Glauben an Christus geführten Galater, sich durch die Übernahme der Beschneidung in den Abrahamsbund und damit in das Volk Israel zu integrieren, fordert den Apostel zu grundlegenden Überlegungen zum Verhältnis von Christusglauben, Abrahamsverheißung und mosaischem Gesetz heraus. Ihnen stellt er in einem paränetischen Teil (5,13–6,10) grundlegende Weisungen zur praktischen Lebensgestaltung an die Seite. Allerdings ist der Galaterbrief nicht -das letzte Wort- des Apostels zu den hier verhandelten Fragen. Nur kurze Zeit später schreibt Paulus den Römerbrief, in dem er einige in den Auseinandersetzungen des Galaterbriefes gewonnene Einsichten nochmals anders formuliert oder neu beleuchtet. Vor allem im Hinblick auf die Zukunft Israels kommen im Römerbrief nochmals eigene Akzente hinzu. Wir werden daher an manchen Stellen der Vorlesung Schneisen vom Galater- zum Römerbrief (und wieder zurück) schlagen und damit einen möglichst breiten Zugang zur Theologie des Apostels erarbeiten. 1. Kommentare zum Galaterbrief (Auswahl) Becker, J. u.a., Die Briefe an die Galater, Epheser und Kolosser (NTD 8,1), Göttingen 1998. Betz, H.D., Der Galaterbrief, München 1988 (engl. 1979). Dunn, J.D.G, The Epistle to the Galatians, Peabody 1993. Eckey, W., Der Galaterbrief, Neukirchen-Vluyn 2010. Lührmann, D., Der Brief an die Galater (ZBK.NT 7); Zürich 21988. Meiser, M., Galater (Novum Testamentum Patristicum) 9, Göttingen 2007. Mußner, F., Der Galaterbrief (HThKNT 9), Freiburg 51988. Schlier, H., Der Brief an die Galater (KEK 7), Göttingen 51971. Vouga, F., An die Galater (HNT 10), Tübingen 1998. 2. Weitere Literatur zur Einführung Bachmann, M. / Kollmann, B. (Hg.), Umstrittener Galaterbrief. Studien zur Situierung der Theologie des Paulus-Schreibens (BThS 106), Neukirchen-Vluyn 2010. Breytenbach, C., Paulus und Barnabas in der Provinz Galatien. Studien zu Apostelgeschichte 13f; 16,6; 18,23 und den Adressaten des Galaterbriefes, Leiden etc. 1996. Theobald, M., Der Galaterbrief, in: M. Ebner/S. Schreiber (Hg.), Einleitung in das Neue Testament, Stuttgart 2008, 347–364. Wolter, M., Paulus. Ein Grundriss seiner Theologie, Neukirchen-Vluyn 2011. Katholische Theologie - Biblische Theologie Für den Besuch des Seminars am griechischen Urtext ist der Nachweis der erfolgreichen Teilnahme an den Griechischkursen I und II bei Dr. Burghard Schröder Teilnahmevoraussetzung. Universität Siegen SoSe 2016 Univ.-Prof. Dr. Weidemann Hans Ulrich