Uni-München
14. März 2017Seminar Masken und Maskeraden Erscheinungsformen und ästhetische Produktivität in den Künsten der Gegenwart Theater im medialen Kontext Wiens
Masken – sei es in Form eines Avatars, körperlosen Bilds oder, traditioneller, als Objekt und materielles Artefakt – eröffnen eine Potentialität, ein Versprechen: das einer anderen Existenz, einer anderen möglichen Identität. Erste Spuren ihres Gebrauchs reichen zurück in die Prähistorie...
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Jetzt Lernplan erstellenMasken – sei es in Form eines Avatars, körperlosen Bilds oder, traditioneller, als Objekt und materielles Artefakt – eröffnen eine Potentialität, ein Versprechen: das einer anderen Existenz, einer anderen möglichen Identität. Erste Spuren ihres Gebrauchs reichen zurück in die Prähistorie (cf. Caverne des Trois-Frères), und in vielen Teilen der Welt gehören sie zu den ältesten Artefakten: Die Herausbildung von Maskierungsformen gilt als wichtiger Faktor bei der Konstitution menschlicher Gesellschaften, der uns heute, vermittelt über diverse Medien, in unterschiedlichsten Lebensbereichen begegnet. Im Sinne einer kulturtheoretischen Präzisierung hat Richard Weihe ihre Differenzierung in Ritual-, Theater- und Gesellschaftsmasken vorgeschlagen. Theaterbezogen liegt die ästhetische Produktivität der Maske, sehr verkürzt gesagt, darin, dass man mit ihr den Ausdruck von Figur und Schauspieler trennen bzw. in spannungsreiche Relation bringen konnte; dies trifft auch dann zu, wenn auf das Anlegen einer Maske (etwa aus Leder, Holz oder Metall) verzichtet wird (zugunsten der Konzeption von ‚Rollenmasken’): Gesicht und Maske, die sich – im Wechselspiel zwischen Zeigen und Verbergen – beide als Bild verstehen lassen (Hans Belting), eignet, so gesehen, eine Relation, die als variable, wandelbare untersucht werden muss. Im Seminar wollen wir uns, ausgehend von einer Auseinandersetzung mit historischen (europäischen/außereuropäischen) Formen, schwerpunktmäßig mit Reinterpretationen der Maske durch Vertreter der historischen Avantgarden (v.a. Craig, Schlemmer, Brecht) sowie des Gegenwartstheaters (Schuster/Kühnel, Susanne Kennedy u.a.) beschäftigen, darüber hinaus soll – kunstkomparatistisch – nach ihrer ästhetischen Produktivität in angrenzenden Feldern der Gegenwartskunst (Videokunst, Netzkunst, Populärkultur, Werbung) gefragt werden.
Literatur zur Einführung:
Friedemann Kreuder: -Maske/Maskerade-, in: E.Fischer-Lichte, D.Kollesch, M.Warstat (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, Weimar 2005, 192-194.
Hans Belting: Faces. Eine Geschichte des Gesichts. München 2013.
John Nunley, Cara McCarty (Eds.): Masks. Faces of Culture. New York 1999.
Richard Weihe: Die Paradoxie der Maskerade. Geschichte einer Form. München 2004.
W3-Professur für Theaterwissenschaft (Univ. Prof. Dr. Christopher Balme)
Leistungsnachweis BA Theaterwissenschaft und BA Kunst, Musik, Theater:
• Referat (ca. 15 Minuten)
• Hausarbeit (15000-18000 Zeichen)
9 ECTS für das Modul -Audiovisuelle Darstellungsformen- (mit Pflichtvorlesung -Medialität der Künste-)
LMU München
SoSe 2015
Univ.Prof.Dr.
Wiens Birgit