Uni-München
14. März 2017Seminar Mystisch hedonistisch oder anakreontisch V2
-Unter Lieben, Trinken, Singen / Soll Dich Chisers Quell verjüngen- (Goethe) Ausgehend von diesem Vers in Goethe’s West-Östlichem Divan, der in Anlehnung an seinem Persischen Vorbild Hafis entstanden ist, hat das Seminar das Ziel zu klären, inwieweit der Weinrausch in...
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Ausgehend von diesem Vers in Goethe’s West-Östlichem Divan, der in Anlehnung an seinem Persischen Vorbild Hafis entstanden ist, hat das Seminar das Ziel zu klären, inwieweit der Weinrausch in der orientalischen Dichtung den Weingenuss im herkömmlichen Sinne darstellt und inwiefern der Liebesrausch die Fokussierung auf ein bestimmtes Objekt der Begierde oder gar Geschlecht manifestiert.
-Rausch- und -Ekstasis- bilden u. a. nach Rolf-Dieter Keil (1957) in seinem Band -Einführung in das Wesen der Hafisischen Dichtung- die zentralen Themen der morgenländischen Lyrik
Hierbei kommt der Figur des Schenken, des persischen -Saqi-, in einem -Rauschgemach-, der Schenke, dem orientalischen Weinhaus, sowie der -Entwerdung- durch die Vereinigung mit dem(r) Geliebten eine bedeutende Rolle zu.
Somit wird der (die) Liebende zum (r) -Trunkenen- oder wie Goethe im Schenkenbuch (West-Östlicher Divan) beklagt:-es ist die Liebestrunkenheit, die mich erbärmlich plagt-.
Weil aber das Verständnis gerade dieser Liebeskonzeption als eine Art -discours amoureux- und auch das des Weines in der ornamentalen, farbenprächtigen und blumenreichen orientalischen Dichtung für den europäischen Leser wegen ausgeklügelter und fremd anmutender Gleichnisse und Metaphern von nicht geringer Mühe ist, wollen wir uns in diesem Seminar einerseits allgemein mit den weltliterarischen Modellen Goethes befassen und zugleich diese Themen vergleichend näher beleuchten.
Zum einen wollen wir herausfinden, inwieweit der Weinrausch in jeweiligen Kulturräumen den Weingenuss im anakreontischen Sinne darstellt, und in wieweit damit der spirituelle Wein als Mittel zur Erkenntnis der Wahrheit und somit der mystische Wein gemeint ist. Zum anderen wird der Frage nachgegangen, inwiefern der Liebesrausch eine Ekstase und die Konzentration auf ein bestimmtes in den Koordinaten von Raum und Zeit verankertes Erleben und Empfinden, bezogen auf ein bestimmtes Geschlecht oder ein bestimmtes Objekt der Begierde manifestiert, oder ob er eher eine Weltanschauung verkörpert, die auf eine abstrakte Symbolfigur bezogen wird und somit eher einen Zustand, nämlich den -Zustand des Liebens-, beschreibt. Hierbei wird auch das alttestamentarische -Hohe Lied- heran gezogen und die darin vorkommenden sinnhaften erotischen Verzückungen mit eben diesen im islamischen Sufismus verfolgt. Ist also Wein,- und Liebesrausch gleich in der orientalischen und der abendländischen Dichtung? Neben Hafis, dem großen Persischen Vorbild Goethes werden u,a Rumi und die Vierzeiler Khajjams herangezogen und vergleichend Anakreon und die Anakreontik sowie Petrarcas -Canzoniere- als weltliterarische Modelle behandelt.
An Hand auserwählter Gedichte werden wir die Rezeption dieser zwei zentralen Motive der morgenländischen Poesie in der europäischen Literatur untersuchen und diskutieren.
Herangezogen werden alle literarischen Gattungen: Romanepen, Vierzeiler, aber insbesondere das Ghasel als eine der wichtigsten lyrischen Formen der Weltliteratur stammend aus dem Arabischen, dem Türkischen und dem Persischen und vergleichbar der antiken Ode und der Elegie, dem Sonett oder dem romantischen Lied.
Empfohlene Lektüre zur Vorbereitung: Bürgel, J. C.: -Ghasel- (Reflexionen der dt. Literaturwissenschaft 1, Hg. v. K. Weimar u.a. S. 722-724- hier weitere Literaturangaben, sowie Bürgel: Drei Hafis Studien in: Europäische Hochschulschriften, Peter Lang, Frkft.1975
Goethe, J.W.v. : West-Östlicher Divan, Insel Taschenbuch, Frankfurt; darin insbesondere: Buch der Liebe, Buch des Schenken, Buch Suleika
Hafis: Gedichte aus dem Divan, Reclam 9420
Khajjam, Omar; Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers, übersetzt von Friedrich Rosen
Rumi: Gedichte aus dem Divan, Reclam
Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit.
ECTS:
BA HF: 6 ECTS (Hausarbeit oder Essays bzw. Referat, benotet)
MA HF: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet)
SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet), 6 ECTS (Hausarbeit, benotet)
MA NF: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet)
Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache
Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie.
Wenn Sie eine Hausarbeit im Nebenfach SLK schreiben möchten, sprechen Sie bitte vorab mit der Studiengangskoordination SLK!
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER
Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20).
Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
Falls Sie eine Seminararbeit für das Nebenfach schreiben möchten, sprechen Sie bitte vorher (!) mit der Studiengangskoordinatorin, Dr. Catharina Busjan ab!
LMU München
SoSe 2016
Dr.
Schamlu Mariam