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Uni-Kassel
17. Juli 2017

Seminar Neue PO Option A Laizität und Lebensweltorientierung Zur ambivalenten Rolle der Religion in der Praxis Sozialer Arbeit

Religion, so eine verbreitete Einschätzung, spielt in Theorie und Praxis Sozialer Arbeit keine Rolle. Wenn überhaupt, dann taucht sie am Rande in Bezug auf kirchliche Trägerorganisationen auf, sie wird aber selten explizit betrachtet das Thema Religion, so Axel Bohmeyer, stoße...

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Religion, so eine verbreitete Einschätzung, spielt in Theorie und Praxis Sozialer Arbeit keine Rolle. Wenn überhaupt, dann taucht sie am Rande in Bezug auf kirchliche Trägerorganisationen auf, sie wird aber selten explizit betrachtet das Thema Religion, so Axel Bohmeyer, stoße in der Sozialen Arbeit auf ein tiefsitzendes Misstrauen. Gleichzeitig wird insbesondere in den letzten Jahren deutlich, dass Religion mit Wucht in die verschiedenen Felder des Bildungs- und Sozialwesens zurückkehrt (oder besser: noch nie von dort verschwunden war). Zu denken ist hier beispielsweise an die teilweise äußerst heftig geführten Diskussionen um die Trennung von Kirche und Staat (Laizität), um religiöse Symbole (wie Kopftücher oder Kreuze) in Schulen und Verwaltungen, ganz aktuell aber auch um die Rolle religiöser Indoktrination bei Radikalisierungsprozessen islamistischer Jugendlicher oder um die Rolle der Frau und die Sozialisation von Kindern in religiös-konservativen Milieus. All dies macht deutlich, dass das Verhältnis von Religion und Sozialer Arbeit ganz allgemein von Bedeutung, in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern aber darüber hinaus auch äußerst konfliktträchtig und brandaktuell ist. Religiöse Frage- und Problemstellungen betreffen die Kernbereiche Sozialer Arbeit, sie sind keineswegs randständig. Dies gilt auch und vielleicht insbesondere für säkulare Gesellschaften, also solchen, in denen die Religion tatsächlich oder vermeintlich keine Rolle mehr spielt oder ins Privatleben verlagert wurde. Das Seminar beansprucht, manches zum Verständnis des Verhältnisses von Religion und Sozialer Arbeit beizutragen. In einem ersten Schritt werden hierfür Texte gelesen, die sich aus theoretischer Perspektive allgemein mit der Rolle der Religion in modernen Gesellschaften auseinandersetzen. Zweitens werden wir einen langen Blick darauf werfen, wie Religion im disziplinären und Fachdiskurs der Sozialen Arbeit zum Thema wird. Und abschließend soll mit dem Ansatz der Lebensweltorientierung ein konkretes Konzept der Sozialen Arbeit daraufhin befragt werden, was es zum Verständnis dieses Spannungsfeldes beitragen kann. Bohmeyer, Axel: Soziale Arbeit und Religion sozialwissenschaftliche und anthropologische Spurensuchen in postsäkularer Gesellschaft. In: neue praxis, Heft 5/2009, S. 439-450. Habermas, Jürgen (2005). Zwischen Naturalismus und Religion. Philosophische Aufsätze. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Luhmann, Niklas (1996). Funktion der Religion. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Luhmann, Niklas (2000). Die Religion der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Schmidt, Thomas & Pitschmann, Annette (2014). Religion und Säkularisierung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart [u.a.]: Metzler. Thiersch, Hans, Grunwald Klaus & Köngeter, Stefan (2002): Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. In: Thole, Werner (Hrsg.), Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Thiersch, Hans (2015). Soziale Arbeit und Lebensweltorientierung. Zwei Bände. Weinheim [u.a.]: Beltz Juventa. FB 01 Institut für Sozialwesen Uni Kassel SoSe 2016 Soziale Arbeit Soziale Arbeit Dr. Milbradt Björn