Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Perspektive und Illusion Die Entwicklung der räumlichen Darstellung vom Mittelalter über die Renaissance zum Barock
In der Regel gehen wir in unserer visuellen Alltagserfahrung von einem -naiven Realismus- aus, d.h. von einem Weltbild, das meint, die äußere Wirklichkeit sei so strukturiert, wie sie im Augenschein wahrgenommen wird. Dies gilt auch für die Wahrnehmung des Raums....
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Jetzt Lernplan erstellenIn der Regel gehen wir in unserer visuellen Alltagserfahrung von einem -naiven Realismus- aus, d.h. von einem Weltbild, das meint, die äußere Wirklichkeit sei so strukturiert, wie sie im Augenschein wahrgenommen wird. Dies gilt auch für die Wahrnehmung des Raums. Aber das Sehen von perspektivischer Räumlichkeit gründet auf einer Erfahrung, die durch die Kunst im Laufe der Geschichte erst eingeübt werden musste. Tatsächlich handelt es sich bei der perspektivischen Darstellung und -Wahrnehmung um eine Illusion, deren Effekte nach der Antike in der Malerei zunächst von Giotto erprobt wurden. In seinen Fresken mit der Legende des Heiligen Franz von Assisi (ca. 1290) kam das Prinzip zur Anwendung, auf einer Fläche die Illusion von Dreidimensionalität zu erzeugen. Laut Erwin Panofsky hat sich in Italien zwischen Spätmittelalter und Früherenaissance -das Bild gleichsam in ein Fenster verwandelt, durch das wir in den Raum hindurchzublicken glauben sollen.- Dem revolutionären Architekten Filippo Brunelleschi (1377-1446) kommt sodann der Verdienst zu, die mathematischen Gesetze der Linearperspektive (die Optik des Euklid) seit der Antike erstmals wiederentdeckt und in der Kunst präzise demonstriert zu haben. Unter seinem Einfluss haben Künstler und Theoretiker wie Masaccio, Leon Battista Alberti und Piero della Francesca mit der Zentralperspektive eine der charakteristischsten und fundamentalsten Komponenten der abendländischen Malereigeschichte etabliert. Bis zum Barockzeitalter erlangte die Welt der Optik eine solche Bedeutung, dass räumlicher Illusionismus zu eine der vorrangigen Aufgaben der Kunst zählte. In dem Seminar wird beabsichtigt, der Geschichte der räumlichen Darstellung bzw. der Perspektivkonstruktionen vom Mittelalter bis zum Barock in komprimierter Form nachzugehen.
Überblick der Themen (auch für Referate und Hausarbeiten):
• Einführung
• Der Raum in der Antike und in der byzantinischen Kunst
• Giottos Naturalismus
• Siena und Oberitalien im Trecento
• Die Entdeckung der Zentralperspektive: Brunelleschi - Masaccio - Alberti
• Epigonen Masaccios und die Raumdarstellung der altniederländischen Malerei
• Piero della Francesca und Mantegna
• Zentralperspektive der Hochrenaissance: Leonardos Abendmahl und Raffaels Schule von Athen
• Der Himmel in der Hochrenaissance: Michelangelo und Correggio
• Manieristische Bildräume: Parmigianino und Tintoretto
• Anamorphosen und unmögliche Räume: Holbein, Erhard Schön
• Der Himmel im Barock: Quadratura bei Pietro da Cortona sowie Andrea Pozzo
• Barocke Raumkonstruktionen in der Architektur: Bernini und Boromini
• Raumwiedergabe mit der Camera obscura: Vermeer, Van Hoogstraten, Canaletto
Module I.; II.; III.
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