Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Philosophie der Lebenskunst in der Diskussion
Das Seminar beschäftigt sich mit einer Kontroverse, welche die heutige praktische Philosophie beschäftigt. Die Frage ist, ob es eine Philosophie der Lebenskunst geben kann oder die Philosophie als Ratgeberin in praktisch-ethischen Fragen und Problemen konkreter Individuen überfordert ist? Eine Idee...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Seminar beschäftigt sich mit einer Kontroverse, welche die heutige praktische Philosophie beschäftigt. Die Frage ist, ob es eine Philosophie der Lebenskunst geben kann oder die Philosophie als Ratgeberin in praktisch-ethischen Fragen und Problemen konkreter Individuen überfordert ist? Eine Idee des späten Michel Foucault aufgreifend, dass es darauf ankäme, aus dem Leben ein Kunstwerk zu machen und das Leben analog zur Kunst zu gestalten, hat Wilhelm Schmid mit seinem Bestseller -Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung- (zuerst 1998) ein Foucault fortführendes Konzept entwickelt. In ihm steht die Sorge um das Selbst zentral. Außerdem diskutiert Schmid all die verschiedenen Facetten dessen, was es heißt, ein gelingendes ethisch verantwortetes Leben heute zu führen. Ökologie-Fragen, Fragen der Wahl und vor allem die Beziehungen zu Anderen stehen im Mittelpunkt einer die Moralistik der Antike (Seneca) und Moderne (Montaigne) aufgreifenden Philosophie, die sich weder als universalistische Moralphilosophie noch als bloße Ratgeberliteratur versteht, sondern eine im Anschluss an Kants Anthropologie im Individuum verankerte Ethik sein will. Die Kritiker werfen diesem Ansatz vor, dass die Philosophie überfordert wird, wenn sie als Ratgeberin in praktischen Lebensfragen auftreten soll. Die kritische Frage an Schmid ist: Banalisiert und trivialisiert Schmid nicht die Problematik einer individualistischen Ethik heute? Ich selbst teile weder die harsche Kritik an Schmid noch den Optimismus, den seine Philosophie der Lebenskunst verströmt. Das Seminar wird sich darum bemühen, den Ansatz von Schmid in die mit Schleiermacher und Nietzsche einsetzende, dann von Georg Simmel fortgeführte Ethik des Individuums einzuordnen und die kritischen Impulse des Denkens von Michel Foucault aufzugreifen, um zu etwas zu kommen, was Simmel -Ethik des individuellen Gesetzes- und Charles Taylor -Ethics of Authenticity- genannt hat.
Diese Veranstaltung findet 14-tägl. statt.
Wilhelm Schmid: Auf der Suche nach einer neuen Lebenskunst. Die Frage nach dem Grund und die Neubegründung der Ethik bei Foucault. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1991. Wilhelm Schmid: Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998. Wolfgang Kersting und Claus Langbehn (Hrsg.): Kritik der Lebenskunst. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007.
FB 01 Institut für Philosophie
Uni Kassel
SS 2008
Philosophie HF
Professor
Paetzold Heinz Professor