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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Seminar zu dem Buch Über die Freiheit On Liberty von John Stuart Mill

Das Seminar beschäftigt sich mit einem wichtigen Theoretiker des Liberalismus. Die politische Philosophie von John Stuart Mill beabsichtigt, das Problem der Freiheit nicht vom Willen her aufzurollen, sondern von den Existenz- und Daseinsmöglichkeiten des Menschen. In der zuerst 1859 publizierten...

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Das Seminar beschäftigt sich mit einem wichtigen Theoretiker des Liberalismus. Die politische Philosophie von John Stuart Mill beabsichtigt, das Problem der Freiheit nicht vom Willen her aufzurollen, sondern von den Existenz- und Daseinsmöglichkeiten des Menschen. In der zuerst 1859 publizierten Schrift verteidigt Mill die Freiheit des Individuums, seine ganz spezifische Art zu leben. Der Individualismus steht für Mill nicht im Widerspruch zum wohl verstandenen Interesse der Gesellschaft, eine Vielfalt von Lebensentwürfen und Lebensformen neben einander bestehen zu lassen. Ja, die liberale Gesellschaft zeichnet sich gerade durch den Pluralismus der Lebensstile und Existenzformen aus. Mill sieht diese Vielfalt des Lebens durch die zu Konformismus drängende -Tyrannei der Mehrheit- bedroht und eingeschränkt. Darin unterscheidet sich Mill nicht von einem Philosophen, wie Alexis de Tocqueville, der mit Blick auf die etablierte Demokratie in den Vereinigten Staaten von Amerika im 19. Jahrhundert von einer -sanften Tyrannei- des damaligen Amerika sprach. Für Mill ist es gerade das Ideal eines demokratischen und liberalen Gemeinwesens, die Menschen zur experimentierenden Vielfalt von Lebensstilen zu motivieren und ihnen dafür den dazu gehörenden Raum zu verschaffen. Mill wählte als Motto seiner Schrift ein Zitat von Wilhelm von Humboldt, der gemeint hatte, dass in der modernen Gesellschaft -alles auf die Ausbildung des Menschen in der höchsten Mannigfaltigkeit- ankomme. Das Seminar soll sich darum bemühen, die Kohärenz der Gedanken von J. S. Mill herauszuarbeiten, der nicht nur vom Utilitarismus her verstanden werden darf, und die Tragweite von Mills Denken heute zu erörtern. Mills Plädoyer für einen Liberalismus der verschiedenen Lebensstile ist eine wichtige historische Quelle für Pluralismus. Pluralismus muss Nonkonformismus, experimentelle Lebensstile, Exzentrik, mit einem Wort: bunte Vielfalt einschließen. Daher haben sich ganz unterschiedliche Denker im ausgehenden 20. Jahrhundert auf J. S. Mill beziehen können, wie etwa Herbert Marcuse, Charles Taylor oder Isaiah Berlin Literaturhinweise: John Stuart Mill: On Liberty. Über die Freiheit. Englisch/Deutsch Übersetzt von Bruno Lemke. Mit Anhang und Nachwort herausgegeben von Berndt Gräfrath. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2009. Gertrude Himmelfarb: On Liberty and Liberalism. The Case of John Stuart Mill. New York 1974, Isaiah Berlin: Four Essays on Liberty. London Oxford New York: Oxford University Press 1977. Charles Taylor: Negative Freiheit? Zur Kritik des neuzeitlichen Individualismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1988. Bernd Gräfrath: John Stuart Mill; -Über die Freiheit- - Ein einführender Kommentar. Paderborn/München/Wien/Zürich 1992. Ronald Dworkin: Liberalism and Moralism. In: Taking Rights Seriously. Cambridge, Mass 1978, S. 240-258. Dt.: Freiheit und Moral. In: Bürgerrechte ernstgenommen. Frankfurt am Main 1984, S. 419-428. Dieter Birnbacher: John Stuart Mill. In: O. Höffe, Hrsg.: Klassiker der Philosophie. Bd. 2. München 1981, S. 132-152. FB 01 Institut für Philosophie Uni Kassel WS 2009/2010 Philosophie HF FB 01 Institut für Philosophie Professor Paetzold Heinz Professor