Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Plausibles Erzählen
Diese Veranstaltung ist Teil einer thematisch gebundenen, fachübergreifenden und interdisziplinären Seminarreihe, organisiert vom Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Doktorandenkolleg des Fachbereichs 02 (GeKKo). Das Seminar Plausibles Erzählen wird sich mit der Sinnstiftung in Erzählungen bzw. in der Betrachtung literarischer (und audio-visueller) Erzählungen...
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Jetzt Lernplan erstellenDiese Veranstaltung ist Teil einer thematisch gebundenen, fachübergreifenden und interdisziplinären Seminarreihe, organisiert vom
Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Doktorandenkolleg des Fachbereichs 02 (GeKKo).
Das Seminar Plausibles Erzählen wird sich mit der Sinnstiftung in Erzählungen bzw. in der Betrachtung literarischer (und audio-visueller) Erzählungen beschäftigen.
Ich schrie vor Schmerzen so laut, daß ich Ralf Palms letzte Worte kaum verstand. Ich glaube, er sagte schlicht auf Wiedersehen. Und lachte. Setzte das Messer an Johannas Kehlkopf und stach zu. Trieb es mit einem gewaltigen Stoß quer durch den ganzen Hals, bis es am Nacken heraustrat. Binnen Sekunden schwamm das Schlafzimmer in Blut.
Dieses Ereignis des (Selbst-)Mordes von Johanna Palm ist Höhepunkt von Helmut Kraussers Schmerznovelle (2001) und bei Weitem nicht die gewaltsamste Darstellung innerhalb seines Gesamtwerks. Studiert man die Forschungsliteratur zu seinem Schreiben, so fällt auf, dass insbesondere seine drastische Darstellung von Gewalt immer wieder Ansatzpunkt der literaturwissenschaftlichen Diskussion ist. Während die einen dies als Umdeutung literaturhistorischer Motive erkennen, sehen die anderen seinen sogenannten blutigen Realismus als gescheiterten Versuch, zur Avantgarde zu gehören.
Krausser funktioniert hier als Beispiel für die Frage, die im Seminar beantwortet werden soll, nämlich: Wie gehen Autor_innen literaturwissenschaftlicher Texte vor, um ihre Thesen plausibel zu machen? Einen möglichen Ansatzpunkt liefert dabei die Erzähltheorie, die sich mit der Betrachtung erzählter Welten eingehend beschäftigt. Martinez/Scheffel stellen fest, [d]ass man sich das Geschehen und die Figuren der erzählten Welt nach dem Muster unserer eigenen Wirklichkeitserfahrung vorstellt, scheint jedenfalls plausibel zu sein bei Werken, deren erzählte Welten sich in ihren Kriterien des Möglichen, Wahrscheinlichen und Notwendigen nicht sehr von unserer Wirklichkeit unterscheiden. Folgende Fragen ergeben sich daraus:
• Wann erscheint eine erzählte Welt in sich plausibel?
• Welche Plausibilisierungsverfahren greifen bei Elementen/Ereignissen in Erzähltexten, die nicht sinnvoll erscheinen, wie beispielsweise überzeichnete Gewaltdarstellungen, Brüche im Erzählfluss, Zeitverschiebungen o.ä.?
• Verwenden spezifische literaturtheoretische Ansätze spezifische Plausibilisierungsverfahren?
Auch andere Seminare des Fachbereichs 02 arbeiten zu diesen und ähnlichen Themen. Alle Seminare kommen am Dienstag, 27.10.2015, 18-20 Uhr (Campus Center HS 3) zusammen, wo das Thema von zwei Doktoranden aus Philosophie und Linguistik (Martin Böhnert und Paul Reszke) vorgestellt und einleitend diskutiert wird. Der von ihnen publizierte Text Linguistisch-philosophische Untersuchungen zu Plausibilität - Über kommunikative Grundmuster bei der Entstehung von wissenschaftlichen Tatsachen bildet dazu die Grundlage. Danach erarbeiten die einzelnen Seminargruppen spezifisch aus ihrer je eigenen Fachperspektive bis zur Weihnachtspause Ideen, Anwendungsbeispiele und Kritik in Bezug auf Plausibilität. Am Ende treffen sich alle Seminare wieder zu einem gemeinsamen Blocktermin, wo sie ihre Ergebnisse präsentieren und diskutieren. (Dienstag, 26.01.2016, 16-20 Uhr, CC HS 3.) Die genaue Prüfungsleistung wird mit den jeweiligen Lehrenden besprochen.
Andere Veranstaltungen des Fachbereichs 02 zu dem Thema sind:
- Germanistische Literaturwissenschaft; Essi Djinkpor/Phoebe Schmidt: -Unser Ende ist euer Untergang- - Die Bedeutung oraler Tradierung bei indigenen Stämmen und afrikanischen Urvölkern.- Germanistische Mediävistik; Johanna Müller: Wie aus dem Drachen ein Krokodil wurde - Zur Herstellung von Plausibilität im und über das Mittelalter
- Philosophie; Jens Schnitker: Zur Plausibilität von Gedankenexperimenten
- Theologie; Daniel Haase: -Ende gut, alles gut!-? - Der sekundäre Markusschluss
Zur Einführung:
Martin Böhnert, Paul Reszke: Linguistisch-philosophische Untersuchungen zu Plausibilität - Über kommunikative Grundmuster bei der Entstehung von wissenschaftlichen Tatsachen. (im Erscheinen)
Zur Plausibilität als Beurteilungskriterium literaturwissenschaftlicher Interpretationen. In: Andrea Albrecht/Lutz Danneberg/Olav Krämer/Carlos Spoerhase (Hg.): Theorien, Methoden und Praktiken des Interpretierens. Berlin, Boston: de Gruyter 2015, S. 483-511.
Bemerkung
+++ NEUES EINWAHLVERFAHREN+++
Bitte beachten Sie das neue PRIOS-Einwahlverfahren. Wenn Sie mehrere Seminare aus einem Modul wählen sollten, nutzen Sie bitte die Phase vom 5.10-11.10., um sich von denjenigen Seminaren abzuwählen, für die Sie zwar zugelassen wurden, sie aber nicht besuchen möchten. Dies ermöglicht eine zweite, automatisierte Nachrückerrunde.
Eine Teilnahme am Seminar ist ohne die Anmeldung über das PRIOS-Verfahren nicht mehr möglich.
Genauere Informationen finden Sie im Vorlesungsverzeichnis unter: FB 02 Geistes- und Kulturwissenschaften/Germanistik
Voraussetzungen
Voraussetzungen für das Seminar sind:
- Bereitschaft zu konzeptionellem, eigenverantwortlichen Arbeiten
- Literaturtheoretische Kenntnisse und/oder die Bereitschaft, sich diese anzulesen
- Interesse an literarischen und audio-visuellen Erzählungen, was die Lesebereitschaft miteinschließt
Leistungsnachweis
Grundsätzlich sind alle Prüfungsformen möglich. Die Inhalte eigenen sich jedoch eher für eine Hausarbeit oder mündliche Prüfung.
FB 02 Institut für Germanistik
Voraussetzungen für das Seminar sind:
- Bereitschaft zu konzeptionellem, eigenverantwortlichen Arbeiten
- Literaturtheoretische Kenntnisse und/oder die Bereitschaft, sich diese anzulesen
- Interesse an literarischen und audio-visuellen Erzählungen, was die Lesebereitschaft miteinschließt
Grundsätzlich sind alle Prüfungsformen möglich. Die Inhalte eigenen sich jedoch eher für eine Hausarbeit oder mündliche Prüfung.
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WiSe 2015/16
Germanistik/Deutsch
Milevski Urania