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Uni-München
14. März 2017

Seminar Prosa der Welt A2

Was ist die -Prosa der Welt-, von der Hegel spricht? Sie ist ein Zustand ohne Raum für heroische Taten. Ganz anders – so Hegel – stand es in vorbürgerlichen Zeiten. Die griechischen Helden handelten frei und selbstständig, kurz: poetisch und...

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Was ist die -Prosa der Welt-, von der Hegel spricht? Sie ist ein Zustand ohne Raum für heroische Taten. Ganz anders – so Hegel – stand es in vorbürgerlichen Zeiten. Die griechischen Helden handelten frei und selbstständig, kurz: poetisch und nicht prosaisch. ‚Poetisch‘ und ‚prosaisch‘ scheinen hier als Metaphern für das Alltägliche bzw. Außergewöhnliche zu stehen. Doch so einfach ist es nicht! Tritt der Bürger auf die Bühne der Welt, wird sie prosaisch, denn mit Veränderungen der Weltverhältnisse kommen auch neue Darstellungsweisen zum Vorschein. Nur in Prosa, scheint es, lässt sich die bürgerliche Realität in ihrer charakteristischen Alltäglichkeit beschreiben. Sartre, der existenzialistische Nachfahre Hegels, behauptet gar, nur in Prosa ließe sich die Gesellschaft kritisieren. In Molières Le Bourgeois gentilhomme – ein Drama über das Verhältnis von Bürgertum und Adel – fragt der bürgerliche Held seinen Lehrer: -Et comme l’on parle qu’est-ce que c’est donc que cela?- Der Lehrer antwortet: -De la prose.- Überrascht ruft sein Schüler aus: -Par ma foi! il y a plus de quarant ans que je dis de la prose sans que j’en susse rien!- In einer Philosophie-Stunde zum Wesen des Alltags könnte die gleiche Spaltung zwischen Vertrautheit und Erkenntnis entstehen: -Was also ist der Alltag? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; wenn ich es jemandem erklären soll, weiß ich es nicht.- Man hat zwar immer schon mit dem Alltag zu tun und spricht gewöhnlich in Prosa, der ontologische Status dieser beiden Phänomene entzieht sich dennoch einer nach Erkenntnis strebenden Aufmerksamkeit. Gerade dieser Mangel an Bestimmbarkeit hat viele zu dem Versuch angestachelt, die Prosa in all ihren Bedeutungsfacetten zu erfassen. Bei der Lektüre von sowohl philosophisch-theoretischen als auch literarischen Texten sowie bei der Betrachtung von Genrebildern wollen wir im Seminar die Prosa der Welt erörtern. Als vorbereitende Lektüre empfehle ich das Kapitel -Die Abhängigkeit des unmittelbaren einzelnen Daseins- aus Hegels Vorlesung über die Ästhetik. Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen. Blockseminar, Termine : ECTS: BA HF: 6 ECTS (Hausarbeit oder Essays bzw. Referat, benotet) MA HF: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet) SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet), 6 ECTS (Hausarbeit, benotet) MA NF: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie. Wenn Sie eine Hausarbeit im Nebenfach SLK schreiben möchten, sprechen Sie bitte vorab mit der Studiengangskoordination SLK! B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München WiSe 1617 Horst Johanna Charlotte