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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Recht und Gewalt 8211 Positionen zu Walter Benjamins 8222 Zur Kritik der Gewalt 8220

Phänomenal unterscheiden sich manche staatlichen Zwangsakte nicht von Verbrechen. Den-noch gelten Freiheitsberaubung, Mord und Diebstahl als zu ächtende Gewalttaten, während Freiheitsstrafe, Todesstrafe und Geldstrafe als legale und daher nicht im eigentlichen Sinne gewaltsame Akte akzeptiert werden. Diese Legitimierung der Gewalt...

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Phänomenal unterscheiden sich manche staatlichen Zwangsakte nicht von Verbrechen. Den-noch gelten Freiheitsberaubung, Mord und Diebstahl als zu ächtende Gewalttaten, während Freiheitsstrafe, Todesstrafe und Geldstrafe als legale und daher nicht im eigentlichen Sinne gewaltsame Akte akzeptiert werden. Diese Legitimierung der Gewalt durch das Recht kennt zwei Varianten: Dem Naturrecht gilt der Zwang als gerechtfertigt, wenn er zu gerechten Zwe-cken eingesetzt wird. Der Rechtspositivismus betrachtet Zwang als berechtigt, wenn er aus dem allgemeinen Gesetz folgt. Walter Benjamins Essay Zur Kritik der Gewalt geht hinter diese Alternative zurück und ent-wickelt eine Kritik der Gewalt als Mittel, in deren Verlauf er einen unheilvollen Zusammen-hang von Recht und Gewalt herausarbeitet: Jedes Recht beruht auf gewaltsamen Akten seiner Einsetzung und bedarf der Gewalt zu seiner Durchsetzung. Jede Gewalt als Mittel wirkt entwe-der rechtssetzend oder rechtserhaltend. Diesem Verhältnis setzt Benjamin die Figur der göttli-chen Gewalt' entgegen, die als reines Mittel' eine Entsetzung des Rechts' vollziehe und so ei-nen Ausweg aus dem Wechselverhältnis von Recht und Gewalt (als Mittel) erlaube. Im Seminar wollen wir uns an einer Deutung dieser Figur versuchen. Dazu vollziehen wir im ersten Teil durch genaue Lektüre des Essays Benjamins das Problem von Recht und Gewalt nach. Dabei stützen wir uns auf einführende Hintergrundtexte zu Naturrecht und Rechtspositi-vismus, zu Streikrecht und Völkerrecht sowie zum Einsatz theologischer Figuren in der politi-schen Theorie. Zu den zahlreichen Kommentatoren des Essays Benjamins zählen u.a. Derrida, Agamben, iek, Butler, Menke oder Honneth. Im zweiten Teil legen wir uns einige ihrer Deu-tungen vor, die göttliche Gewalt mal als revolutionären Schlag, mal als Intervention Gottes, mal als Ausdruck für die Offenheit politischer Prozesse interpretieren, und entwickeln durch die Lektüren hindurch als Seminar eine eigene Lesart. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2015/16 Politikwissenschaften HF M.A. Mattutat Liza M.A