Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Sehen und Schreiben Franz Kafka und das Kino
Seit Hanns Zischler in dem Band -Kafka geht ins Kino- (1996) seine Recherchen zu den Film-Erlebnissen des Prager Autors vorgelegt hat, ist deutlich geworden, mit welcher Leidenschaft sich Kafka auf das neue Medium und seine Produktionen stürzte. Der Gang ins...
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Jetzt Lernplan erstellenSeit Hanns Zischler in dem Band -Kafka geht ins Kino- (1996) seine Recherchen zu den Film-Erlebnissen des Prager Autors vorgelegt hat, ist deutlich geworden, mit welcher Leidenschaft sich Kafka auf das neue Medium und seine Produktionen stürzte.
Der Gang ins Kino hat sein Schreiben nachhaltig beeinflusst, wie die berühmt gewordene Tagebuchnotiz vom 20. November 1913 belegt: -Im Kino gewesen. Geweint. LOLOTTE. Der gute Pfarrer. Das kleine Fahrrad. Die Versöhnung der Eltern. Maßlose Unterhaltung (. . .) Bin ganz leer und sinnlos, die vorüberfahrende Elektrische hat mehr lebendigen Sinn.-
Die neuere Kafka-Forschung interessiert sich zunehmend für das Phänomen des -Kinogehers- Kafka und gewinnt daraus neue Einsichten über seine Wahrnehmung und sein Schreiben. Am Film hat Kafka vor allem das dynamische Arrangement der Bilder und die Technik ihrer Sequenzierung interessiert. Mit möglichst direkter Transposition (-erregt flackerndes Stenogramm-) versuchte er, die affektiven Spuren, die das Filmerlebnis in ihm zurückließen, in erinnerten Sekundenbildern festzuhalten. -Festhalten!, als wäre der Zuschauer überfallen und beraubt worden, und rufe hilfesuchend nach der arretierenden Schrift.-
Die 2005 erschienene Kafka-Biographie des Berliner Literaturwissenschaftlers Peter André Alt geht den Formen -kinematographischen Erzählens- bei Kafka genauer nach. Das neue Medium interessierte sich, wie die Texte Kafkas, für -riskant beschleunigte Bewegungen- und durch Geschwindigkeit bewirkte optische Deformationen. Diese Bewegungen, die Verknüpfungen und Isolationen disparater Gedächtnisbilder des Kinos als Thema des Erzählens sollen am Beispiel ausgewählter Kafka-Texte analysiert werden.
Die aktive Teilnahme setzt Bereitschaft zur Übernahme von Sitzungsprotokollen oder Impulsreferaten zu einzelnen Sitzungsthemen voraus. Benotete Qualifikationsnachweise können durch Referate bzw. Ausarbeitungen von Impulsreferaten erworben werden.
Ein detaillierter Seminarplan mit weiteren Literaturangaben wird in der Vorbesprechung am 04. 02. 2014 um 18:00 Uhr in R. 3.406 vorgestellt.
Einführende Literatur:
Hanns Zischler, Kafka geht ins Kino, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1996.
Peter-André Alt, Franz Kafka: Der ewige Sohn. Eine Biographie, München: C. H. Beck 2005.
Peter-André Alt, Kafka und der Film - Über kinematographisches Erzählen, München: C. H. Beck 2009.
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Technische Universität Dortmund
WiSe 2013/14
Deutsch BA LABG2009
Gronenborn Klaus