Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Sehn Sie die Kreatur Affe und Mensch in der Literatur
-Abkömmlinge der Affen? Hoffen wir, dass das nicht wahr ist – und falls doch, beten wir, dass es nicht allgemein bekannt wird.- Dieses Zitat wird der Ehefrau eines anglikanischen Bischofs aus dem 19. Jahrhundert zugeschrieben, die damit ihr Entsetzen über...
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Jetzt Lernplan erstellen-Abkömmlinge der Affen? Hoffen wir, dass das nicht wahr ist – und falls doch, beten wir, dass es nicht allgemein bekannt wird.- Dieses Zitat wird der Ehefrau eines anglikanischen Bischofs aus dem 19. Jahrhundert zugeschrieben, die damit ihr Entsetzen über die Evolutionstheorie Darwins zum Ausdruck gebracht haben soll.
Die Literatur hat sich indes bereits in vielfältiger Weise mit der Ähnlichkeit von Affe und Mensch auseinandersetzt: Angefangen bei Märchen und Tierfabeln verschiedensten Ursprungs finden sich menschenähnliche Affen und affenähnliche Menschen in Erzählungen und Gedichten von Voltaire, Hoffmann, Hauff, Musil, Flaubert, Canetti, Kafka und vielen anderen. Auch Georg Büchner, auf den das titelgebende Zitat -Sehn sie die Kreatur!- zurückgeht, lässt in -Woyzeck- einen Jahrmarkt-Affen auftreten, um die Grundlagen des Menschseins kritisch zu reflektieren; und in einer frühen Kriminalerzählung von Edgar Allen Poe ist der Affe sogar der Mörder. In der zeitgenössischen Literatur finden sich Affen z.B. bei T.C.Boyle, Octavio Paz, Peter Hoeg, Mo Yan u.a. und die Kino-Abkömmlinge der literarischen Affe/Mensch-Verknüpfung begegnen uns dann schließlich in Filmen wie -Tarzan- oder -Planet der Affen-.
-Der Affe ähnelt dem Menschen soweit, dass sich identifikatorische Momente ergeben-, hält Margit Knapp fest, wobei u.a. auffällt, dass die Veröffentlichung von Darwins evolutionsbiologischen Schriften auch die Darstellung des Affen in der Literatur verändert. Aus verschiedenen Perspektiven stellt dabei die Literatur die gleiche Frage, der auch Naturwissenschaft und Verhaltensforschung nachgehen: Aktuelle Buchtitel wie -Der Affe in uns. Warum wir sind, wie wir sind- (Frans de Waal) oder -Der Affe ins uns. Warum die Kultur an unserer Natur zu scheitern droht- (Franz M. Wuketits) illustrieren die Aktualität der Frage, wie viel Affe im heutigen Menschen steckt.
Auf dem Weg über die Literatur werden wir uns diesem Thema nähern und versuchen, ein möglichst umfassendes, auch interdisziplinäres Bild vom Stand der Diskussion um die Frage zu gewinnen, ob die Menschen tatsächlich, wie es in einem Gesicht von Erich Kästner heißt, -noch immer die alten Affen- sind.
Die besprochenen Texte werden, da es sich im Wesentlichen um Auszüge und kurze Texte handelt, per EWS zur Verfügung gestellt.
Die Voraussetzungen für den Erwerb einer AT (BaMa 2005/LPO 2003)/Studienleistung (LABG 2009) werden in der ersten Sitzung erläutert. Für eine Studien-/Teilleistung (BaMa 2005/LPO 2003) oder eine Modulprüfung (LABG 2009) ist die Abgabe einer Hausarbeit oder alternativ das Bestehen einer Klausur erforderlich.
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Technische Universität Dortmund
WiSe 2013/14
Deutsch BA LABG2009
Schröder Stefan