Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Sehr geehrte Frau Bundeskanzler Linguistische Positionen und Analysen zu Gender Geschlecht und Sprache GS 1.3 Modulzuordnung L1 M5 L2 M9 L3 M6b
Bis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts galt als unbestritten, dass Frauen im Deutschen bei der Verwendung maskuliner Personenreferenzen wie Lehrer, Student/en, Professor/en -mitgemeint- sind (also -Frau Bundeskanzler-?). Die Untersuchungen der Feministischen Linguistik haben maßgeblich dazu beigetragen, Richtlinien...
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Jetzt Lernplan erstellenBis weit in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts galt als unbestritten, dass Frauen im Deutschen bei der Verwendung maskuliner Personenreferenzen wie Lehrer, Student/en, Professor/en -mitgemeint- sind (also -Frau Bundeskanzler-?). Die Untersuchungen der Feministischen Linguistik haben maßgeblich dazu beigetragen, Richtlinien für einen nicht-diskriminierenden bzw. nicht-sexistischen Sprachgebrauch zu erstellen (deshalb: -Frau Bundeskanzlerin-). Neuere Forschungsansätze perspektivieren die Frage, was wir überhaupt wahrnehmen, wenn wir derartige Personenreferenzen lesen oder hören (Denken Sie bei -Staatsoberhaupt- an einen Mann oder an eine Frau?) Wenngleich die Feministische Linguistik damit die Grenzen der traditionellen strukturalistischen Linguistik überschritt, richtet sie ihr Hauptaugenmerk auf das Sprachsystem. Ein zweiter Ansatz innerhalb der Sprachwissenschaft, der sich mit Geschlecht und Sprache auseinander setzt, geht vom Sprachgebrauch aus: Sprechen Frauen anders als Männer? Gibt es einen -weiblichen Gesprächsstil-? Argumentieren Männer mit anderen Mitteln als Frauen? Was sind Kennzeichen geschlechtsspezifischen Sprachgebrauchs und wie sind diese jeweils zu bewerten? (Können Männer nicht zuhören und Frauen über alles reden?) Neben diesen gesprächsanalytischen Ansätzen sollen auch text- und diskursanalytische Arbeiten berücksichtigt werden, die das -Konstruiertsein- von Geschlecht durch Sprache bzw. Sprachhandeln betonen, etwa in Form des Konzepts -doing gender-. Das Seminar will die referierten Anätze und Arbeiten kritisch unter die Lupe nehmen, wobei der Schwerpunkt auf im weitesten Sinne pragmatischen Arbeiten liegt. Praxisorientierte Themen (Gender, Geschlecht und Sprache in der Erwachsenenbildung, im Deutschunterricht etc.) sollen ebenfalls ausreichend Raum erhalten. Vorgesehen ist auch ein Blick über den linguistischen Tellerrand zur Literaturwissenschaft und zur Geschichte. Ziel ist neben der kritischen Reflexion der linguistischen Forschung eine Sensibilisierung für die sprachliche Konstruktion von Geschlechtsidentität.
Für das Seminar wird ein Reader mit einschlägiger Literatur erstellt, der ab dem 10.10.2006 im Copyshop -Wiso-Pool- in der Nora-Platiel-Str. 6 kopiert werden kann.
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
WS 2006/2007
Faulstich Katja