Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-München
14. März 2017

Übung Die Kelten Ethnos Identität Fiktion

Bis in die Gegenwart wird das -Volk der Kelten- mit einer Vielzahl gegensätzlicher Attribute bedacht. Das Adjektiv -keltisch- findet sich als geradezu magisch verbrämter Gattungsbegriff in kaum überschaubarer Vielfalt in Wissenschaft, Medien und populärer Literatur. Themen vermeintlich keltischen Inhaltes reichen...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Bis in die Gegenwart wird das -Volk der Kelten- mit einer Vielzahl gegensätzlicher Attribute bedacht. Das Adjektiv -keltisch- findet sich als geradezu magisch verbrämter Gattungsbegriff in kaum überschaubarer Vielfalt in Wissenschaft, Medien und populärer Literatur. Themen vermeintlich keltischen Inhaltes reichen dabei von modernen Sprachgruppen über nationale Identitäten, Phänomene moderner Freizeitkultur (z. B. Reenactment und Halloween) bis hin zu den Abgründen von Esoterik und Astrologie. Dabei fußt das moderne, öffentlich rezipierte Keltenbild auf einer sich seit langer Zeit entwickelnden Traditionslinie, deren Ursprünge bis in die ethnographischen Exkurse antiker Autoren zurückgehen. Erst in jüngeren Jahren konnte die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie einige der überkommenen Keltenklischees korrigieren. Mit einer kritischen Position zur Deutung materieller Kultur stellt sie zunehmend die ethnische Zuweisung ‚gallischer‘ oder ‚keltischer‘ Kultur oder Volkszugehörigkeit in Frage. Darüber hinaus versucht sie, antike Identitäten zu identifizieren und von extern auferlegten ethnischen Zuweisungen zu trennen. Schließlich lassen sich auf Basis fundierter archäologischer Argumentation historische und gegenwärtige Fiktionen des -Keltischen- entlarven und isolieren. Das Seminar soll Studierenden aller Semester die Möglichkeit bieten, das Bild der Kelten unter archäologisch-historischem und forschungsgeschichtlichem Blickwinkel zu klären. Dabei wird vor dem Hintergrund antiker Schriftquellen die -keltische Ethnographie- griechisch-römischer Autoren kritisch bewertet. Die materielle Kultur der vorrömischen Eisenzeit Europas wird als mögliche Grundlage einer Erforschung antiker Ethnien (Kelten, Germanen etc.) und Identitäten herangezogen. Hierbei werden neuere kontroverse Ansätze zur Identifikation und Herkunft der -Kelten- diskutiert und die Entwicklung einer -Archäologie der Kelten- im Laufe der vergangenen zwei Jahrhunderte präsentiert. Einzelne Aspekte, wie die -Religion der Kelten- oder das Druidentum werden auf Basis der archäologisch-historischen Faktenlage besprochen. Schließlich sollen einige (post-)moderne Phänomene des -Keltischen- in der Alltagskultur und die Aneignung der -Kelten- durch Esoterik und Pseudowissenschaft aufgezeigt werden. J. Collis, The Celts: Origins, myths and inventions (Stroud 2006). – Ders., Redefining the Celts. In: S. Zimmer (Hrsg.), Kelten am Rhein. Akten des dreizehnten Internationalen Keltologiekongresses. Proceedings of the thirteenth International Congress of Celtic Studies. 23. bis 27. Juli 2007 in Bonn. 2. Philologie. Sprachen und Literaturen. Beih. BJb. 58 (Mainz 2009) 33–43. – B. Cunliffe/B. T. Koch (Hrsg.), Celtic from the West. Alternative Perspectives from Archaeology, Genetics, Language and Literature (Oxford 2012). – J. Fries-Knoblach, Die Kelten. 3000 Jahre europäischer Kultur und Geschichte (Stuttgart 2002). – M. Karwowski/V. Sala/S. Sievers (Hrsg.), Boier zwischen Realität und Fiktion. Akten internat. Kolloquium eský Krumlov vom 14.–16.2013. Kolloquien Vor- u. Frühgesch. 21 (Bonn 2015). – R. Karl/J. Leskovar/S. Moser (Hrsg.), Interpretierte Eisenzeiten. Die erfundenen Kelten – Mythologie eines Begriffes und seine Verwendung in Archäologie, Tourismus und Esoterik. Tagungsbeitr. 4. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Studien Kulturgesch. Oberösterreich 31 (Linz 2012). – B. Maier, Geschichte und Kultur der Kelten (München 2012). – Ders., Die Kelten. Geschichte, Kultur und Sprache (Tübingen 2015). – S. Rieckhoff/J. Biel, Die Kelten in Deutschland (Stuttgart 2001). Bemerkung Die Veranstaltung findet als Blockveranstaltung am Freitag ab 14h und Samstag von 10-18h statt. Schellingstraße 12, Raum 536 Erster Termin: 21. Okt. 2016, 11 - 13Uhr Weitere Termine: 25./26. Nov., 16./17. Dez. 2016, 13./14. Jan. 2017, 03./04. Febr. 2017 Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde LMU München WiSe 1617 Dr. Wendling Holger