Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Sigmund Freud Jenseits des Lustprinzips
Zu Beginn der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts unterzieht Freud die theoretischen Grundannahmen der Psychoanalyse, die er seit ca. 1895 ausgearbeitet hatte, nochmals einer gründlichen Revision, um ihnen in seinen Schriften Jenseits des Lustprinzips (1920) und Das Ich und das...
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Jetzt Lernplan erstellenZu Beginn der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts unterzieht Freud die theoretischen Grundannahmen der Psychoanalyse, die er seit ca. 1895 ausgearbeitet hatte, nochmals einer gründlichen Revision, um ihnen in seinen Schriften Jenseits des Lustprinzips (1920) und Das Ich und das Es (1923) ihre definitive Formulierung zu geben. Während die Schrift von 1923 der Lehre vom psychischen Apparat mit seinen Instanzen Es, Ich und Über-Ich letzte begriffliche Klärungen zukommen lässt, entfaltet Jenseits des Lustprinzips insbesondere Freuds Trieblehre neu, die von ihm selbst als psychoanalytische Spekulation bezeichnet zwei irreduzible Triebgruppen in die Theorie einführt: Lebenstriebe (Eros) und Todestriebe. Ihr Zusammenwirken sowie ihre Funktion im psychischen Haushalt des Menschen werden in der Schrift eingehend analysiert.
Die als Lektüreseminar angelegte Veranstaltung widmet sich einer kritischen Analyse und Diskussion von Freuds Trieblehre, wie sie in Jenseits des Lustprinzips dargelegt wird. Für Studierende, die im Sommersemester 2016 an der von Majetschak durchgeführten Veranstaltung Das Ich und das Es teilgenommen haben, ist das Seminar als Fortsetzungsveranstaltung gedacht. Es ist jedoch zugleich auch für Neueinsteiger der Fächer Kunstwissenschaft, Kunstpädagogik und Philosophie prinzipiell offen. Um allen Teilnehmern eine vergleichbare Ausgangslage zu ermöglichen, wird vor der Lektüre von Jenseits des Lustprinzips mit der Analyse des Kapitels Der psychische Apparat aus Freuds unvollendet gebliebener Spätschrift Abriss der Psychoanalyse begonnen.
Für die Studierenden der Kunstpädagogik hat diese Textlektüre insofern ein besonderes Interesse, als Freud hier das berühmte Fort-Da-Spiel vorstellt, das für (ästhetische) Bildungsprozesse exemplarischen Charakter beanspruchen kann. Freud denkt dieses Spiel als kulturelle Leistung, als Verzicht auf Triebbefriedigung, indem das Kind den Vorgang selbst in Szene setzt und damit den Beginn der Symbolisierung markiert. Auf dieses Spiel wird als Referenz nicht nur in einschlägigen kunstpädagogischen Theorien Bezug genommen (u.a. Schäfer, Pazzini), sondern auch in kulturtheoretischen (Zizek) oder kunstwissenschaftlichen Konzepten (Didi-Huberman).
Kunsthochschule Kassel
Scheinerwerb und Teilnahmebescheinigung: Die regelmäßige Teilnahme an der Veranstaltung ist zwingend erforderlich und Voraussetzung für eine benotete Prüfungsleistung, die durch die Anfertigung einer Hausarbeit gemäß den Richtlinien der jeweiligen Studiengänge erbracht werden kann. Die Teilnahme an der Veranstaltung wird gegebenenfalls auf der Grundlage eines anzufertigenden Sitzungsprotokolls (Studienleistung) bescheinigt.
Uni Kassel
WiSe 2016/17
Philosophie HF
Prof. Dr.
Majetschak Stefan