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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Soziale Rechte Wohlfahrtsstaaten und Globalisierung Potentiale und Probleme des Gesellschaftsvergleichs

Wie sind soziale (Bürger)-Rechte entstanden, auf welche soziale Gruppen erstreckten sie sich und wie wurden sie in verschiedenen nationalen wohlfahrtsstaatlichen Systemen institutionalisiert? Vor welche Herausforderungen sehen sich Wohlfahrtsstaaten angesichts grenzüberschreitender Migration, globalisierten Wirtschaftens und europäischer Integration gestellt? Wie streiten und...

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Wie sind soziale (Bürger)-Rechte entstanden, auf welche soziale Gruppen erstreckten sie sich und wie wurden sie in verschiedenen nationalen wohlfahrtsstaatlichen Systemen institutionalisiert? Vor welche Herausforderungen sehen sich Wohlfahrtsstaaten angesichts grenzüberschreitender Migration, globalisierten Wirtschaftens und europäischer Integration gestellt? Wie streiten und verhandeln verschiedene Interessengruppen über Reformen existierender Wohlfahrtsstaaten und welche neuen Modelle globaler sozialer Rechte entwerfen und verfolgen sie für diejenigen, die bislang nicht oder nur in geringem Maße sozial abgesichert sind? Im Seminar werden wir diesen Fragen auf Basis ausgewählter Texte der Soziologie des Wohlfahrtsstaates nachgehen. Dabei wird zugleich das Ziel verfolgt, eine Einführung in die Potentiale und Probleme des historischen Gesellschaftsvergleichs zu geben und alternative transnationale Forschungsperspektiven vorzustellen. Die Wohlfahrtsstaatsforschung hat wie kaum ein anderer soziologischer Themenbereich eine Vielzahl von gesellschaftsvergleichenden Studien hervorgebracht. Im Seminar werden wir besprechen, auf welche Weise diese Vergleiche unser Wissen über soziale Rechte und Wohlfahrtsstaaten erweitern, welche Typologien sie entwickeln und welche Erklärungen sie für die Herausbildung unterschiedlicher Wohlfahrtsstaatsmodelle anbieten. Besonderes Gewicht liegt dabei auf der Rolle von Interessen, Ideen und Institutionen. In der Wohlfahrtsstaatsforschung haben Kritiker bereits früh auf die Grenzen und Probleme einer historisch vergleichenden Makroperspektive hingewiesen. Im Seminar werden wir auch diese Probleme anhand von ausgewählten Studien besprechen. Dazu zählt die unzureichende Berücksichtigung gesellschaftlicher Heterogenität entlang der Dimensionen Gender und Ethnizität, das Problem der Typenbildung auf Basis geringer Fallzahlen, die Vernachlässigung zwischengesellschaftlicher Diffusions- und Transferprozesse, das Problem der globalen bzw. europäischen Einbettung wohlfahrtsstaatlicher Reformen und schließlich die Frage, wie nichtstaatliche Akteure zur Entwicklung und Verankerung globaler sozialer Rechte beitragen, welche auch bislang vernachlässigte oder ausgeschlossene Bevölkerungsgruppen in anderen Teilen der Weltgesellschaft einbeziehen. Das Seminar soll Studierende in die Lage versetzen, eine eigenständige kritische Beurteilung theoretischer Ansätze in Verbindung mit empirischen Ergebnissen zu formulieren. Zugleich wird das Lesen und Bearbeiten von englischsprachigen Texten gemeinsam eingeübt. Aufbau des Seminars: • Einführung: Welche sozialen Bürgerrechte gewähren verschiedene Gesellschaften? Wie haben sie sich im Zeitverlauf entwickelt? Was charakterisiert den deutschen Wohlfahrtsstaat im internationalen Vergleich? (Empirische Beispiele) • Potentiale des Gesellschaftsvergleichs: Beiträge zur Soziologie nationaler Wohlfahrtsstaaten • Der Gesellschaftsvergleich als Forschungsperspektive (Überblick zu Zielen, Untersuchungsdesigns und Methoden) • Die Entstehung von Wohlfahrtsstaaten im transatlantischen Vergleich I (funktionalistische, konflikttheoretische, und ideengeschichtliche Ansätze) • Die Entstehung von Wohlfahrtsstaaten im transatlantischen Vergleich II (kulturelle, wissenssoziologische und institutionelle Ansätze) • Idealtypen: Drei Welten des Wohlfahrtsstaatskapitalismus • Probleme des Gesellschaftsvergleichs und alternative Forschungsperspektiven: Öffnung zu einer Soziologie globaler sozialer Rechte • Von nationalen Gesellschaften zu sub- und transnationalen Vergesellschaftungen? (Überblick zu Problemen und Kritiken des Gesellschaftsvergleichs und Vorstellung alternativer Forschungsperspektiven ) • Heterogenität von Gesellschaften (Gender und Ethnizität) • Typenbildung aufgrund kleiner Fallzahlen (Südeuropa, Entwicklungs- und Schwellenländer) • Galtons Problem (Diffusion und Transfer von Modellen und Policies) • Einbettung in Mehrebenensysteme (europäische Sozialpolitik) • Transnationale Institutionenbildung (internationale soziale Rechte in der ILO und UN; zivilgesellschaftliche und gewerkschaftliche Mobilisierung über Grenzen hinweg; transnationale Arbeits- und Sozialstandardsetzung) • Abschlussdiskussion und Ausblick (Einsichten aus dem Seminar und offene Forschungsfragen, Soziale Rechte und soziale Gerechtigkeit) Bemerkung English title: Social rights, welfare states, and globalisation. Potentials and Problems of historical-macro comparisons Sozialwissenschaften Für einen Teilnahmenachweis erwarte ich eine regelmäßige aktive Mitarbeit, die Vorbereitung der angegebenen Lektüre, zwei einseitige Memos und ein Kurzreferat. Für eine Hausarbeit, die in einem der beiden Seminare des Moduls verfasst werden muss, können Sie einen Gegenstandsbereich auswählen, zu dem Sie in Absprache mit mir eine Fragestellung formulieren und in einer schriftlichen Abhandlung vertiefend behandeln. Universität Duisburg-Essen WS 2013/14 Soz M.A., Soziologie (Master of Arts) Universitätsprofessor/in Quack Sigrid Universitätsprofessor in