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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Soziale Ungleichheiten und Soziale Arbeit

Die Welt hat einen neuen Heiligen: »San Precario«. Auf den ersten Blick sieht er nicht aus wie ein Schutzbefohlener, trägt Pluderhosen und ein fußballtrikotähnliches Polo-Hemd. »San Precario« ist der »Engel«, der »Beschützer der Ungeschützen«, der »Scheinselbstständigen« und »aller Mitarbeiter, deren...

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Die Welt hat einen neuen Heiligen: »San Precario«. Auf den ersten Blick sieht er nicht aus wie ein Schutzbefohlener, trägt Pluderhosen und ein fußballtrikotähnliches Polo-Hemd. »San Precario« ist der »Engel«, der »Beschützer der Ungeschützen«, der »Scheinselbstständigen« und »aller Mitarbeiter, deren Vertrag an einem Faden hängt«, also derjenigen, die unter prekären, ungeschützten Bedingungen Beschäftigungen nachgehen und sich allmählich beginnen zu organisieren. Der neue Schutzheilige steht programmatisch für eine Verschärfung von sozialen Risiken und Ungleichheiten, auch in den als relativ reich angesehenen Staaten Europas. Die innerstaatlichen Krisen nehmen, auch aufgrund der weltweiten, tendenziell imperialen Globalisierungspolitik zu und die wohlfahrtsstaatlichen Eckdaten und Sicherungssysteme stehen zur Diskussion-Stichworte: Die Konfliktlinien zwischen den „alten“ sozialen Klassen scheinen zu verschwinden und neue Ungleichheitskonstellationen hervorzurufen. Neue Formen der Armut sind zu erkennen. Die Differenzen zwischen den Geschlechtern scheinen sich aufzulösen und zugleich zu verschärfen. Neue, weltweite Migrationsströme sind zu erkennen und parallel wird in den westlichen Ländern eine weitere Schließung der nationalstaatlichen Grenzen diskutiert. Die Frage des zukünftigen Umgangs der Generationen untereinander ist offen und die Organisationsformen und Handlungsbedingungen der Sozialen Arbeit stehen zur Disposition. Aspekte und Fragen dieser Veränderungen werden in dieser Veranstaltung auf der Grundlage neuerer Gesellschaftsanalysen analysiert und erörtert. In dem Seminar sollen so unterschiedliche Deutungen der Gegenwart vorgestellt und besprochen werden. Im Kern wird es darum gehen, zu überlegen und zu diskutieren, unter welchen Bedingungen eine moderne Soziale Arbeit sich heute noch organisieren kann und mit welchem gesellschaftlichen Mandat sie ausgestattet sein wird. Wer sich vorbereiten möchte, dem sei folgende Literatur besonders empfohlen: Bourdieu, Pierre u. a.: Das Elend der Welt. Konstanz 1997. Lessenich, Stephan/Nullmeier, Frank: Deutschland eine gespaltene Gesellschaft. Frankfurt a. Main 2006 Thole, Werner/Ahmed, Sarina/Höblich, Davina: Soziale Arbeit in der gespaltenen Konkurrenzgesellschaft. In: neue praxis, 2007, Heft 1 FB 04 Sozialwesen Uni Kassel SS2007 Prof. Dr. Thole Werner