Uni-Kassel
14. März 2017Proseminar mit Tutorium Literatur und Geld
Die Weltfinanzkrise ruft nicht nur Ökonomen, Politiker, Banker und Geschasste auf den Plan, sondern auch Literaturwissenschaftler. Die Handels- und Geldgeschäfte in den vermeintlichen Realwirtschaften lassen Mechanismen zutage treten, die vor allem den Finanzmarkt als genuines Spielfeld der Fiktion zur Kenntlichkeit...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Weltfinanzkrise ruft nicht nur Ökonomen, Politiker, Banker und Geschasste auf den Plan, sondern auch Literaturwissenschaftler. Die Handels- und Geldgeschäfte in den vermeintlichen Realwirtschaften lassen Mechanismen zutage treten, die vor allem den Finanzmarkt als genuines Spielfeld der Fiktion zur Kenntlichkeit entstellen. Zu denken ist an das geldwirtschaftliche System als ,Black Box, das schwarze oder rote Zahlen schreibt, mit fiktiven Geschichten auf Gewinn spekuliert, Bilanzen manipuliert, elektronisches Geld in Umlauf bringt und Derivate kreiert, die zum Teil überhaupt keinen materiellen Gegenwert mehr besitzen, schließlich in ‚Blasen heiße Luft und Enttäuschung produziert. Literatur dient nicht nur als Code-Container für die Schwerpunktthemen Finanzen und Wirtschaft, sondern sie tut mit an der Dekonstruktion des ‚Geldschleiers wie man den Geld- und Kreditverkehr tatsächlich nennt. Die Beschäftigung mit dem Verhältnis von Literatur und Geld (resp. Wirtschaft) erlangt so ungemeine Aktualität; es geht um die Sondierung der Austauschverhältnisse von Literatur und finanzökonomischen Praktiken. Das Seminar diskutiert die zweifache These, wonach 1.) literarische Texte das für den Finanzkapitalismus typische Spannungsverhältnis von Realität und Fiktionalität, von Wirklichkeit und Möglichkeit deutlich darstellen; dass sich 2.) für die Analyse dieses Spannungsverhältnisses literaturwissenschaftliche Analysekategorien als Instrumentarium anbieten. Leitfragen lauten: Seit wann und wie thematisiert Literatur Geld? Auf welche Weise können literarische Texte mögliche fiktionale Strategien der Finanzwelt erkennen und auf sie aufmerksam machen? Sind Parallelen oder Ähnlichkeiten zwischen Börsianern und Dichtern erfunden oder Tatsache? Welche Rolle spielt die Symbolmacht und Virtualität des Geldes?
Literatur (Texte, Bilder, Text-Bild-Kombinationen) wird zum Semesterbeginn bekanntgegeben.
Bemerkung
LitWiss
VoraussetzungenAktive und regelmäßige Teilnahme; Übernahme einer Seminarpatenschaft; Anfertigung eines ein- bis zweiseitigen Assignment-Textes
LeistungsnachweisHausarbeit, Klausur und/oder Prüfungsgespräch
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
SoSe 2014
Germanistik/Deutsch
Deutsch Zweitfach
Dr.
Münkner Jörn