Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Sozialontologie Was sie ist und was sie will
Erstaunlicherweise kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass John R. Searle in der zeitgenössischen Theorienlandschaft der einzige ist, welcher sich der Construction of Social Reality (1995) hinwendet und erklärt How We Make the Social World (2010). Fraglos ist zwar, dass...
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Jetzt Lernplan erstellenErstaunlicherweise kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass John R. Searle in der zeitgenössischen Theorienlandschaft der einzige ist, welcher sich der Construction of Social Reality (1995) hinwendet und erklärt How We Make the Social World (2010). Fraglos ist zwar, dass dessen sprachpragmatische Theorie einzigartig ist. Doch weder ist sie alternativlos noch – ihrem Erklärungsanspruch nach – konkurrenzlos. Die jüngere Gründung eines Journal for Social Ontology, diverse Workshops und ein europäisches Netzwerk von Akademikern (ENSO) zeugen von einem keimenden Interesse an sozialontologischen Problemen, für welches der Ansatz Searles einer unter anderen ist. Auch in den Debatten, die unter dem Rubrum Philosophy of Social Science geführt werden, und deren kräftigster Sproß der (New) Critical Realism ist (vgl. die Buchreihe Routledge studies in critical realism, London) werden sozialontologische Fragen gestellt. Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind z.B.: Welche Ontologie setzt eine sozialwissenschaftliche Erklärung voraus (und kritisch besehen: kann sie gerechtfertigterweise voraussetzen) – Ist Gesellschaft ein System? Besteht Gesellschaft nur aus Individuen? Und welche realen Faktoren stellen soziale Sachverhalte und Prozesse her (konstituieren sie) und erhalten sie – Deklarative Sprechaktstrukturen? Wir-Intentionen? Normative Praxisformen? (Sach)Zwänge?
Sicher jedenfalls ist, dass soziale Tatsachen identisch sind mit dem objektiven Handlungsrahmen des alltäglichen Lebens. Die Art wie sie existieren zu durchschauen, ist gewissermaßen befreiend, jedenfalls wenn man die ‚Erkenntnis von Notwendigkeit als Freiheit’ bestimmt (Hegel). Das Lernziel des Seminars ist es, ein Problembewusstsein für die Kontingenz sozialer Tatsachen, aber auch für die Unverfügbarkeit derselben zu bilden. Dazu wird ein sozialontologisches Grundvokabular durch die Lektüre einschlägiger Texte, das Gespräch und die Moderation des Dozenten erarbeitet.
Technische Universität Dortmund
SoSe 2014
Bispinck Funke Christian