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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Soziologie des Mülls

Nun also auch noch eine Soziologie des Mülls wie weit will es die Soziologie noch treiben? In der Tat mutet der Titel dieses Seminar auf den ersten Blick wie ein schlechter Witz an. Auf den zweiten Blick, in einer bewusst...

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Nun also auch noch eine Soziologie des Mülls wie weit will es die Soziologie noch treiben? In der Tat mutet der Titel dieses Seminar auf den ersten Blick wie ein schlechter Witz an. Auf den zweiten Blick, in einer bewusst offenen und spielerischen Interpretation, bietet Müll hingegen eine fruchtbare Perspektive auf unsere Gesellschaft. Lässt man sich die vielfältigen Bedeutungen vom Ausgestoßenen, Überflüssigen, Dreckigen, Unnützen, Ekeligen oder auch Zerstörten durch den Kopf gehen, zeigt sich ein unerwartetes Potenzial. Müll zeigt Grenzen auf, verweist auf das (nicht-)Wertvolle, erzählt die Geschichte ökonomischer Expansion. Und er ist Aufhänger wiederkehrender politischer Problematisierungen, vorschneller Lösungsstrategien und weitreichender Missverständnisse.   Sneak-Peak auf den Seminarplan: Wir beginnen mit Einführungstexten, die uns die Bedeutungsvielfalt des Begriffs aufzeigen. So zeigt sich, welche Relevanz Metaphern bei der Gestaltung des Themas spielen. Der ungarischen Soziologin Zsuzsa Gille folgend lernen wir zudem eine sozialtheoretische Differenzierung kennen, welche bei der Auswahl von soziologisch relevanten Themen hilft: die Unterscheidung zwischen 1) der Produktion, 2) der Repräsentation und 3) der Politik des Mülls. Jeweils sollen diese Ebenen durch empirische, praxisnahe Phänomene erschlossen werden. Ein paar Beispiele: Im ersten Teil diskutieren wir etwa die sozioökonomischen Grundlagen der Müllproduktion (die Notwendigkeit schöpferischer Zerstörung im Kapitalismus oder auch die paradoxe Rolle von Müll im Sozialismus). Im zweiten Teil betrachten wir bspw. die seltsame Diskussion am Finanzmarkt (warum werden Aktien auf Ramsch-Niveau abgestuft?). Außerdem tauchen wir in die Rolle von Reinheit, Dreck und co. bei der Konstruktion von Identität ein. Im dritten Teil schauen wir uns politische Diskurse der Nachhaltigkeit an (Effizienz, Konsistenz und Suffizienz treffen auf Obsoleszenz). Aus aktuellem Anlass setzen wir uns auch mit den Grundlagen von Globalisierung, Terrorismus und Rassismus auseinander: der metaphorischen Reinigung bzw. dem Wunsch, sich vor Infektionen zur schützen. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SoSe 2016 Soziologie HF Politik und Wirtschaft Laser Stefan