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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Soziologische Theorie Handlung und Wissen

Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen...

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Was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Diese Fragen verweisen auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit soziologischer Theorie. Einen möglichen Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Grundpositionen soziologischer Theoriebildung stellen fundamentale Kontroversen bzw. Konfliktlinien dar, die die Soziologie wiederkehrend beschäftigen. Jene Kontroversen stecken auf markante Weise die Problemdimensionen des Fachs ab. Zugleich zeigen sie in exemplarischer Form sowohl die verschiedenen, konkurrierenden Paradigmen als auch die verbindenden Elemente der Soziologie. Anstatt also einzelne Autoren vertiefend zu lesen, soll im Seminar ein spezifischer Problemkreis gesellschaftlicher Wirklichkeitsdeutung erschlossen und diskutiert werden.   Handlung und Wissen wurden zu Hochzeiten der Moderne stets zwei voneinander getrennten gesellschaftlichen Gebieten zugewiesen: Hier die Theorie, dort die Praxis. Rezente gesellschaftspolitische Umbrüche haben allerdings gezeigt, dass die moderne Trennung von Wissen und Handeln problematische Wirkungen zeitigen kann, die Krisensituationen hervorrufen. So haben die Ökologie- und Technologiekrisen der 1980er Jahre verdeutlicht, dass die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse Konsequenzen für das Alltagshandeln hat, die in der Wissensproduktion berücksichtig werden müssen. Die sogenannte Wissensgesellschaft steht entsprechend für die Idee einer Aufwertung von Wissensformen, die zur Einschränkung von Umweltrisiken einen Beitrag leisten können. Das hat auch Konsequenzen für die Soziologie als moderne Krisenwissenschaft, denn damit wurden neue Theorien und Forschungsansätze über die Durchdringung von Handeln und Wissen, von Umwelt, Technik und Gesellschaft in das Fach gebracht. Das Seminar führt vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen in soziologische und sozialphilosophische Grundkonzepte von Handlung und Wissen im Wandel der Geschichte ein. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SoSe 2016 Soziologie HF Dr. Bogusz Tanja