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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Soziologische Theorie Mauss und Bourdieu

Warum beschenken wir uns an Weihnachten? Kann man sich Anerkennung von Freunden erkaufen? Hängt das friedliche Zusammenleben in Europa von der Bereitschaft der reichen Länder ab, die Schulden der ärmeren Länder zu tilgen? Die übergreifende Fragestellung, unter der wir uns...

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Warum beschenken wir uns an Weihnachten? Kann man sich Anerkennung von Freunden erkaufen? Hängt das friedliche Zusammenleben in Europa von der Bereitschaft der reichen Länder ab, die Schulden der ärmeren Länder zu tilgen? Die übergreifende Fragestellung, unter der wir uns den soziologischen Theorien von Marcel Mauss und Pierre Bourdieu annähern wollen, dreht sich um das Verhältnis zwischen ökonomischen und nicht-ökonomischen Handlungs- und Beziehungsformen im sozialen Leben. An den Werken dieser zwei französischen Theoretiker kann die Idee der -nicht-vertraglichen Grundlagen des Vertrags-, mit der Emile Durkheim, der berühmte Onkel von Marcel Mauss, seine Soziologie der Solidarität und Moral begründet hat, weiterverfolgt und vertieft werden. Dabei lenkt Mauss unsere Aufmerksamkeit zunächst auf den Unterschied zwischen einer Ökonomie des Tauschens und einer Zeremonie der Gabe, der sich bei unterschiedlichsten Völkern und zu allen Zeiten beobachten lasse. Handelt es sich hierbei also um eine anthropologische Grundkonstante sozialen Zusammenlebens? Oder hat sich der Gabentausch in der Moderne verändert? Sind die Unterschiede in Wahrheit vielleicht gar nicht so groß oder nur eine Täuschung? Folgen die freundliche Geste, das überreichte Geschenk, entgegengebrachtes Vertrauen oder die ausgelassene Party womöglich ihrerseits Logiken der Kapitalinvestition? Letzteres vermutet Bourdieu, der eine Theorie der gesellschaftlichen Praxis ausgearbeitet hat, in der die fein abgegrenzten Handlungs- und Beziehungsformen von Gabe und Tausch in Abwandlung und Weiterführung von Marx als zwar differenziertere, aber letztlich dennoch kapitalistische Ökonomie erscheinen. Adloff, Frank/Mau, Steffen (Hrsg.) (2005): Vom Geben und Nehmen. Zur Soziologie der Reziprozität. Frankfurt/New York: Campus. Bourdieu, Pierre (1976): Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp. Bourdieu, Pierre (1991): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. 4. Auflage. Frankfurt/Main. Mauss, Marcel (1968): Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften. Frankfurt/M.: Suhrkamp. Moebius, Stephan/Papilloud, Christian (Hrsg.) (2006): Gift – Marcel Mauss‘ Kulturtheorie der Gabe. Wiesbaden: VS. Bemerkung Das Tutorium von Josephine Woermann zu diesem Seminar findet freitags von 12.00 bis 14.00 Uhr in Raum 0205 im Systembau 2 statt. Voraussetzungen Die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme sowie Lektüre der Primärtexte wird erwartet. Studienleistungen sind mündliches Referat und Sitzungsprotokoll, die Prüfungsleistung (oder obligatorische Studienleistung) umfasst zudem die schriftliche Ausarbeitung des Referats zu einer Hausarbeit von 8 bis 10 Seiten. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme sowie Lektüre der Primärtexte wird erwartet. Studienleistungen sind mündliches Referat und Sitzungsprotokoll, die Prüfungsleistung (oder obligatorische Studienleistung) umfasst zudem die schriftliche Ausarbeitung des Referats zu einer Hausarbeit von 8 bis 10 Seiten. Uni Kassel SoSe 2013 Soziologie HF Prof. Dr. Lamla Jörn