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Uni-München
14. März 2017

Hauptseminar Verse Füße Strophen

Warum artikuliert sich Dichtung seit Alters in Versen? Warum schreitet sie in Versfüßen voran? Was bedingt das Gesetz der Wiederkehr, unter dem der Vers steht? Was geschieht, wenn sich Dichtung aus dem festen Versmaß befreit, sich in -freien Versen- artikuliert?...

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Warum artikuliert sich Dichtung seit Alters in Versen? Warum schreitet sie in Versfüßen voran? Was bedingt das Gesetz der Wiederkehr, unter dem der Vers steht? Was geschieht, wenn sich Dichtung aus dem festen Versmaß befreit, sich in -freien Versen- artikuliert? Anstatt, wie zumeist, den Vers unter den Maßgaben der -Versschule- zu betrachten, d.h. die unterschiedlichen Versformen erkennen und interpretieren zu lernen, wollen wir grundsätzlicher fragen: Warum ordnet sich Dichtung nach Versen und welche poetologischen, anthropologischen und ethischen Implikationen hat dies? Die dichterische Rede führt den Satz in ein konfliktuelles Verhältnis zum Vers. Es gehört zum Wesen der Versrede, zwingend zu sein. Auf der einen Seite übt sie auf Sprache einen Formzwang aus, den es im einzelnen je genauer zu analysieren gilt, auf der anderen Seite wird der Versrede seit je eine besonders überwältigende, ja mitreißende Kraft zugesprochen. -Die motorische Gewalt des Metrums wird zur rhetorischen Gewalt der Rede- (Hans Jost Frey). Entgegen diesem mitreißenden Charakter des Verses wird seine besondere Formstrenge allerdings auch wiederum oft als Ausdruck von Zurückhaltung und Besonnenheit gedeutet. Diese ambivalenten Kräfte des Verses führen in der Moderne zu seiner Krise, die vornehmlich in der französischen Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgetragen wird und nicht zuletzt zur Ausprägung der hybriden Gattung des Prosagedichts geführt hat. Vertiefen wollen wir die Frage, was es mit dem Vers auf sich hat, indem wir im Laufe des Semesters sowohl poetologische Texte zum Vers studieren als auch Gedichte lesen und analysieren, die sich selbst als -philologische Poesie- (Werner Hamacher) verstehen. Punktuelle Stationen führen von Dante über Petrarca und Ronsard zu Hölderlin, Baudelaire, Mallarmé, Valéry und Celan. ECTS-Punkte: BA: 6 ECTS (mit Hausarbeit benotet) MA 12: 6 ECTS (mit Hausarbeit benotet/ mit Essays od. Referat unbenotet) MA NF für Soziologie: 6 ECTS (mit Hausarbeit benotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache LMU München WiSe 1415 Dr. Kasper Judith