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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Soziologische Theorie Simmel und Goffman

Die Geburt der Soziologie im 19. Jahrhundert ist eng verknüpft mit der Frage nach »der Gesellschaft«. Doch was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt...

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Die Geburt der Soziologie im 19. Jahrhundert ist eng verknüpft mit der Frage nach »der Gesellschaft«. Doch was ist damit gemeint und was muss man darunter verstehen, wenn die Soziologie dem Wortsinn nach die »Lehre von der Gesellschaft« ist? Betreibt und studiert man Soziologie, ist man mehr als in anderen Fächern mit dem Problem konfrontiert, den genauen Gegenstandsbereich des eigenen Faches zu bestimmen. Um über »die Gesellschaft« zu forschen, bedarf es daher immer auch theoretischer Grundannahmen darüber, was der Gegenstandsbereich der Soziologie ist (in Abgrenzung etwa zu anderen Fächern) und was die Soziologie erklären soll oder kann. Vor diesem Hintergrund sollen im Seminar mit Georg Simmel und Erving Goffman zwei klassische Varianten soziologischer Theorie behandelt werden, die insbesondere daraufhin zu befragen sind, was in ihnen jeweils als Eigenart soziologischen Denkens verstanden wird. Die Veranstaltung soll an diesen beiden Autoren in die Argumentationsweise und den Gegenstandsbereich soziologischen Denkens einführen. Dazu sollen in einem ersten Schritt jeweils zentrale theoretische Grundannahmen rekonstruiert werden. Bei Simmel geht es hierbei insbesondere um das Modell der Wechselbeziehungen sowie die modernisierungs- und individualisierungstheoretischen Überlegungen, die er etwa am Geistesleben der Großstadt oder der sich zuspitzenden »Tragödie der Kultur« veranschaulicht. Bei Goffman stehen demgegenüber vorwiegend Prozesse der direkten Interaktion im Zentrum, die sich beispielsweise auf Fragen der Rolleneinnahme und -bildung, der Situationsrahmung oder der Stigmatisierung beziehen – etwa in den Forschungen zur theaterhaften Dramaturgie des Alltagshandelns oder der »totalen Institutionen« der Moderne (Psychiatrien, Gefängnisse etc.). Trotz dieser auf den ersten Blick unterschiedlichen Perspektiven teilen Simmel und Goffman aber durchaus wesentliche Grundüberzeugungen, die sich sowohl auf die Wahl des zu erforschenden Gegenstandsbereichs als auch die Form, in der soziologische Forschung betrieben wird, beziehen. In einem zweiten Schritt sollen daher verschiedene thematische und inhaltlich-analytische Gemeinsamkeiten behandelt werden, die jeweils an theorietypischen Beispielen und konkreten Gegenständen diskutiert werden sollen. Hierbei geht es zugleich um die Beiträge von Simmel und Goffman zu einer soziologischen Analyse des Alltags, die beiderseits bei der Überzeugung ansetzt, dass vermeintlich banale und triviale Phänomene nicht nur soziologisch höchst interessant sind und folglich entsprechend erschlossen werden können, sondern auch exemplarischen Gehalt für jeweilige Prozesse und Strukturen von Vergesellschaftung haben. Erving Goffman: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag, München: Piper, 2003 [1969]. Georg Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, in: Ders.: Aufsätze und Abhandlungen 1901-1908, Bd. 1 (Gesamtausgabe Band 7), Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1995, S. 116-131. Bemerkung Die Anmeldefrist für dieses Seminar endet am 31.3.2013. Weitere Anmeldung sind ab sofort nicht mehr möglich. Das Tutorium von Sina Knoll findet dienstags 14-16 im Raum 3308, NP 1, statt. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SoSe 2013 Soziologie HF Kernstudium Dr. Gertenbach Lars