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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Technikphilosophie

Technikphilosophie ist dem Namen nach und im engeren Sinne eine recht junge Disziplin, die zeitlich auf August Koelle (System der Technik, 1822) und insbesondere den Linkshegelianer Ernst Kapp (Grundlinien einer Philosophie der Technik, 1877) datiert werden kann. Im weiteren Sinne...

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Technikphilosophie ist dem Namen nach und im engeren Sinne eine recht junge Disziplin, die zeitlich auf August Koelle (System der Technik, 1822) und insbesondere den Linkshegelianer Ernst Kapp (Grundlinien einer Philosophie der Technik, 1877) datiert werden kann. Im weiteren Sinne ist das Nachdenken über die Technik (als Artefakt, als praktisch-pragmatische Handlungsweise, als theoretische Kontemplation, als Technologie), die eng mit der Kunst verschwistert ist, aber wenigstens genealogisch bis Platon und Aristoteles techne-Begriff zurückgeführt und über Mittelalter, Renaissance, Neuzeit bis zur Industriellen Revolution und unserer gegenwärtige Wissensgesellschaft nach skizziert worden. Zwei der für uns interessantesten Vertreter, die Technik und Technologie auf einer metareflexiven Ebene einzuholen gedachten, Ernst Cassirer und Martin Heidegger, repräsentieren zugleich den alten Streit in der Philosophie um das Wesen der Wahrheit in neuem Gewand: Kann das Phänomen Technik mit instrumental-anthropologischen Kategorien (z.B. Zweck-Mittel-Relation) oder anhand einer Erhellung ihrer metaphysischen Anfangsgründe adäquat eingeholt und moralische wie ethische Implikationen der Technikbenutzung (Gen- und Biotechnologie, Nano-Technologie, etc.) dadurch zureichend abgeschätzt werden? Das Seminar wird auf Grundlage zweier kurzer aber erschöpfender Primärtexte den ganzen Spiel- und Frageraum rund um das Wesen der Technik eröffnen: Den Einblick in das, was ist, wagen. Es sind Ernst Cassirers Aufsatz Form und Technik (1930), der als Kopie in der Sitzung ausgeteilt werden und uns einen Quereinstieg in seine Philosophie der Symbolischen Formen ermöglichen wird, sowie Martin Heideggers Teilvortrag Die Technik und die Kehre (1950), eine seinsgeschichtlich-poetische Variante dasselbe Phänomen Technik zur Sprache zu bringen. - Anhand dieser beiden Texte wird ein umfangreicher Zusammenhang von Sein, Natur, Technik, Kunst, Sprache, Moral Wahrheit, Epistemologie und Mensch-sein ersichtlich werden, wesentliche Begriffe der abendländischen Philosophiegeschichte also, die von Heidegger und Cassirer dazu genutzt werden die Frage nach dem Ursprung und dem Wohin unserer kulturellen Entwicklung am Exempel der Technik zu stellen. Ein Semesterapparat wird im Verlauf den Semesterferien eingerichtet, worin sich relevante Primär- und Sekundärtexte finden lassen. Die Vorbesprechung findet am 15.5.2009 in Raum 1305, NP1 um 16:00 statt, wo die endgültigen Termine mit den Studierenden abgesprochen und die Texte zur Vorbereitung ausgeteilt werden. Beginn der Hauptveranstaltung wird voraussichtlich Anfang Juli sein und ggf. bis in die Semersterferien hinein reichen. Literaturhinweise: Alfred Nordmann, Technikphilosophie zur Einführung. Junius 2008. (Sehr zur Anschaffung empfohlen) Peter Fischer, Philosophie der Technik. UTB 2004. (Einführung in Terminologie, Geschichte und Epistemologie gängiger Konzeptionen von Technikphilosophie, ideal als Ergänzungslektüre zu Fischer 1996). Peter Fischer, Technikphilosophie. Reclam Leipzig 1996. (Eine Sammlung von Primärtexten illustrer Technikphilosophen mit einem ausführlichen Nachwort von Peter Fischer). FB 01 Institut für Philosophie Uni Kassel SS 2009 Philosophie HF Wolf Arne