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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Transformationen von Arbeit und Arbeitsmärkten aus historisch vergleichender Perspektive

(english title: Transformations of work and labour markets in historical-comparative perspective) Prekarität und Unsicherheit von Beschäftigung, Unterschiede in den wohlfahrtsstaatlichen Rahmungen von Arbeit und in den Einstellungen gegenüber Beschäftigungsrisiken – viele Besonderheiten und Veränderungen von Arbeitsmärkten lassen sich erst durch...

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(english title: Transformations of work and labour markets in historical-comparative perspective) Prekarität und Unsicherheit von Beschäftigung, Unterschiede in den wohlfahrtsstaatlichen Rahmungen von Arbeit und in den Einstellungen gegenüber Beschäftigungsrisiken – viele Besonderheiten und Veränderungen von Arbeitsmärkten lassen sich erst durch einen Blick auf historische Entwicklungen verstehen. So diskutiert die vergleichende Arbeitsmarkt- und Wohlfahrtsstaatsforschung den fortwährenden Einfluss von zu bestimmten Zeiten dominanten Ideen und religiösen Doktrinen auf die gegenwärtigen wohlfahrtsstaatlichen Arrangements. Die Herausbildung moderner Arbeitsmärkte sowie die für sie charakteristischen Machtverhältnisse und Regulierungsformen sind zudem wesentlich durch vorangegangene oder parallel ablaufende politische Konflikte und kulturelle Transformationen geprägt. Gleichzeitig kann politischer und wirtschaftsstruktureller Wandel auch bestehende Sichtweisen auf Arbeit und Wirtschaft erschüttern. Doch welchen Stellenwert können beispielsweise historische Ereignisse und Akteurskonstellationen gegenüber Eigenlogiken von Institutionen bei der soziologischen Erklärung von Arbeitsmarktphänomenen einnehmen? Welche Rolle spielen Weltbilder, Interessen und Machtressourcen relevanter Akteure zu bestimmten Zeiten für die Ausgestaltung von Arbeitsmärkten? In diesem Seminar diskutieren wir anhand von aktuellen und historisch-vergleichenden Studien die Entstehung und Veränderung moderner Arbeits- und Wirtschaftsethiken sowie von Institutionen, die Arbeitsmärkte heute prägen. Anhand der Diskussion einschlägiger Studien lernen wir verschiedene theoretische und methodische Herangehensweisen der historisch-vergleichenden Arbeitsmarkt- und Kapitalismusforschung kennen und ordnen sie in aktuelle theoretische Kontroversen ein. Ablauf: Wir beginnen mit einleitenden Diskussionen über historische Gründe und Vergleichsfälle für aktuelle Arbeitsmarktphänomene (wie Europäisierung der Hochschulbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Streiks und Jugendproteste) und über mögliche Angleichungstendenzen in westlichen Arbeitsmärkten (A). Mit den Formen und Möglichkeiten des historischen Vergleichs beschäftigen wir uns dann eingehender in Bezug auf die kulturellen Grundlagen kapitalistischer Wirtschafts- und Arbeitsformen (B): Bedarf die Entwicklung von modernen Wirtschaftsformen der Herauslösung der Arbeitenden aus traditionellen Bindungen und Wertorientierungen? Wie stark interessieren sich moderne Organisationen für die Lebensführung und außerberuflichen Bindungen ihrer Beschäftigten? Im zweiten und dritten Seminarabschnitt diskutieren wir am Beispiel der Systeme der industriellen Beziehungen unterschiedliche theoretische Perspektiven auf Arbeitsmarktinstitutionen, die der Eigenlogik institutioneller Entwicklungen und historischen Kontingenzen unterschiedlichen Stellenwert einräumen. Können wir beispielsweise im Hinblick auf die Ausweitung von atypischer Beschäftigung und von Dienstleistungstätigkeiten eine Abkehr von etablierten Organisations- und Vertretungsformen in den einzelnen Ländern erwarten? Wo liegen hier die Möglichkeiten und Grenzen historisch vergleichender Arbeitsmarktforschung (C)? Werden internationale Vergleiche der Heterogenität und Segmentierung innerhalb nationaler Beschäftigungssysteme gerecht, und wie erkenntnisversprechend und tragfähig sind sie für die Untersuchung transnationaler Prozesse (D)? Sozialwissenschaften Universität Duisburg-Essen WS 2013/14 Soz B.A., Soziologie (Bachelor of Arts) Dr. Apitzsch Birgit