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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Über Grenzen hinweg Transnationale Institutionenbildung und soziale Mobiliserung

(English title: Across borders: Transnational institution building and social mobilization) In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche transnationale Institutionen entstanden, die darauf abzielen, Globalisierungsprozesse gesellschaftlich zu gestalten. Dabei geht es um globale Probleme, wie den Klimawandel oder menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den...

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(English title: Across borders: Transnational institution building and social mobilization) In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche transnationale Institutionen entstanden, die darauf abzielen, Globalisierungsprozesse gesellschaftlich zu gestalten. Dabei geht es um globale Probleme, wie den Klimawandel oder menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferfabriken globaler Produktionsketten, wie sie erst vor kurzem wieder durch Brände in Textilfabriken in Bangladesch sichtbar wurden. Transnationale Institutionen können vielfältige Formen annehmen, die von internationalen Rechtsnormen bis zur freiwilligen Befolgung von Standards reichen. Zu den Beispielen zählen Umweltschutz-Konventionen der Vereinten Nationen ebenso wie Kernstandards der Internationalen Arbeitsorganisation; Standards für nachhaltige Waldzertifizierung ebenso wie internationale Rahmenabkommen in multinationalen Unternehmen oder globale Arbeitsstandards. Die Entstehung und Entwicklung dieser transnationalen Institutionen wirft aus soziologischer Perspektive eine Reihe theoretischer und methodischer Fragen auf: Was veranlasst Aktivisten, soziale Bewegungen, Unternehmer und Politiker – um nur einige der beteiligten Akteure zu nennen – dazu, für bestimmte Probleme transnationale statt nationalstaatliche Regeln und Konventionen zu entwickeln? Wie ist es möglich gemeinsame Erwartungshaltungen und soziale Praktiken von einer gewissen Stabilität, d.h. Institutionen im soziologischen Sinne, zwischen Menschen und Gruppen in weit entfernten, sozio-ökonomisch und kulturell sehr unterschiedlichen nationalen Gesellschaften zu etablieren? Welche politischen Konflikte und sozialen Mobilisierungen begleiten die transnationale Institutionenbildung? Inwieweit verringern, stabilisieren oder vergrößern transnationale Institutionen das Machtgefälle zwischen Industrie- und Entwicklungsländern? Diese Fragen werden im Seminar auf Basis einer Einführung in die sozialwissenschaftliche Literatur zu transnationaler Institutionenbildung und grenzüberschreitender sozialer Mobilisierung behandelt. Im Vordergrund stehen dabei Ansätze einer soziologischen Institutionentheorie, angewandt auf transnationale Vergesellschaftungsprozesse, die mittels empirischer Studien zur Herausbildung transnationaler Standards, Regeln und Normen illustriert werden. Der thematische Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Arbeit und Einkommen, Teilhabe an Wissen und Kultur, Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften sowie Menschenrechte. Das Seminar soll Studierende in die Lage versetzen, eigenständig Forschungsfragen auf Basis des aktuellen Forschungsstandes – inklusive englischsprachiger Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften – zu formulieren, die auch in den Referaten präsentiert und in die mündliche Prüfungsleistung integriert werden können. Zu diesem Zweck wird das Lesen und Bearbeiten von englischsprachigen Texten gemeinsam eingeübt und vertieft. Aufbau des Seminars: • Einführung in Debatten und Konzepte • Wirtschaftliche Globalisierung und ihre sozialen und ökologischen Folgen • Die Grenzen staatszentrierter Institutionentheorie • Soziologische Ansätze einer Theorie der transnationalen Vergesellschaftung • Akteure, Formen und Prozesse transnationaler Institutionenbildung • Transnationale Erweiterungen staatlicher Regulierung • Internationale Organisationen (z.B. Welthandelsorganisation, Internationales Arbeitsamt) • Transgovernmentale Netzwerke (z.B. internationale Zusammenarbeit von Forstministerien gegen illegale Abholzung) • Mehr-Ebenen-Governance in der Europäischen Union (z.B. EU-Maßnahmen im Bereich der Sozial- und Armutspolitik; EU-Regulierungen gegen illegale Abholzung) • Transnationale Selbstregulierung von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden • Private Regelsetzung durch Verbände (z.B. Sicherheitsstandards in der Spielwarenindustrie) • Private Regelsetzung durch Unternehmensnetzwerke (z.B. Kimberley-Prozess in der Diamantenindustrie, Kampagne gegen -Blutdiamanten-) • Private Regelsetzung in Multinationalen Unternehmen (z.B. Sozialstandards von Unternehmen der Sportartikelindustrie) • Transnationale Institutionenbildung unter Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure • Transnationale Advocacy-Netzwerke (z.B. Kampagne für saubere Kleidung) und transnationale soziale Bewegungen (z.B. im Umweltschutzbereich) • Internationale Gewerkschaftszusammenarbeit (z.B. im Rahmen der Global Unions Federations) • Transnationale Standardsetzung und Zertifizierung (z.B. Fair Labour, Fair Trade, Forest Stewardship Council) • Internationale Rahmenabkommen (z.B. Automobilindustrie) • Herausforderungen für transnationale Institutionen • Zwischen Fragmentierung und Interaktion • Wie effektiv im nationalen und lokalen Kontext? • Wem gegenüber rechenschaftspflichtig? • Abschlussdiskussion und Ausblick (Einsichten aus dem Seminar und offene Forschungsfragen) Sozialwissenschaften Für einen Teilnahmenachweis erwarte ich eine regelmäßige aktive Mitarbeit, die Vorbereitung der angegebenen Lektüre und ein Kurzreferat. Für eine mündliche Prüfung, die in einem der beiden Seminare des Moduls abgelegt werden muss, können Sie eine Forschungsfrage entwickeln, die Sie in Absprache mit mir durch die Lektüre weiterer Literatur vertiefend behandeln. Universität Duisburg-Essen WS 2013/14 Soz M.A., Soziologie (Master of Arts) Universitätsprofessor/in Quack Sigrid Universitätsprofessor in