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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Übung 8250 Arbeit 8249 in Literatur und Medien

HAT ER ARBEIT?, ist die zentrale Frage in Kai Wessels gleichnamigem TV-Drama von 2013, in dem nicht nur Familienprobleme mit Blick auf die Arbeitswelt verhandelt werden, sondern auch gesellschaftspolitische, ökonomische, medizinische und individualpsychologische Fragen von Arbeit. Dass alles dies in...

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HAT ER ARBEIT?, ist die zentrale Frage in Kai Wessels gleichnamigem TV-Drama von 2013, in dem nicht nur Familienprobleme mit Blick auf die Arbeitswelt verhandelt werden, sondern auch gesellschaftspolitische, ökonomische, medizinische und individualpsychologische Fragen von Arbeit. Dass alles dies in einem einzigen Fernsehfilm zugleich möglich ist, dass die ZuschauerInnen sich in allen diesen Bereichen auf den Fokus Arbeit und auf den Film einlassen können, und dass nichtsdestotrotz der Effekt entsteht, es mit einem einzigen Gegenstand ›Arbeit‹ zu tun zu haben, macht dreierlei deutlich: erstens, dass ›Arbeit‹ der zentrale Konvergenzpunkt moderner Gesellschaften ist, nämlich ein Gegenstand, in dem wichtige individuelle Lebensfragen (Privatheit) mit gesamtgesellschaftlichen Problemlagen (Öffentlichkeit, Politik) zusammenkommen; zweitens, dass ›Arbeit‹ als sozial produzierter Gegenstand im Schnittpunkt verschiedener Spezialwissensbereiche konstituiert wird (von Soziologie und Politologie über Medizin bis hin zu Psychologie), wobei in der Regel das Abstraktum ›Arbeit‹ und die mit ihm verbundenen Individuen (Subjektivitäten) in den Blick genommen werden; drittens, dass das Wissen über ›Arbeit‹ aus diesen Spezialbereichen zu einem integralen Alltagswissen weiterverarbeitet wird, wobei dieser Prozess der Zusammenführung von Spezialwissen ganz unterschiedlicher Herkunft medial erfolgt. Von daher muss unser Wissen über ›Arbeit‹ insgesamt als ein genuin medial vermitteltes Wissen angesehen werden, was im Umkehrschluss nichts anderes heißt, als dass mit den medialen stets auch die gesellschaftlichen Diskursivierungen von Arbeit in den Blick genommen werden, die »arbeitsverändernden Impulse von Arbeit« (Füllsack 2009, 7). Aus dieser dreifachen Perspektive auf den diskursiven sozialen Gegenstand ›Arbeit‹ ergibt sich das Thema des Seminars: Mediale Diskursivierungen von Arbeit und der arbeitenden Subjekte sollen für die Zeit von den 1960er Jahren bis heute so analysiert werden, dass nicht nur einzelne Medien wie Film, Fernsehen, Presse usw. auf die Art ihrer je spezifischen Form der Darstellung von Arbeit hin befragt werden, sondern diese einzelnen Medien und Fragestellungen stets auch in das gesamte Ensemble von relevanten Spezialwissenschaften sowie der medialen Weiterverarbeitung des mit ihnen bereitgestellten Wissens (einschließlich Alltagswissen) eingebettet werden. Das Seminar findet teilweise in Kooperation mit der University of Cincinnati statt. Eine Gruppe von Studierenden und Lehrenden aus Cincinnati wird daher vom 6. bis 9.5.2015 am Seminar teilnehmen. Aus diesem Grund beginnt das Seminar normal im Wochenrhythmus zu Semesterbeginn und wird dann vom 6. bis 9. Mai 2015 als Blockveranstaltung durchgeführt. Die genauen Tage und Zeiten werden mit den TeilnehmerInnen zu Semesterbeginn abgesprochen. Die 'normalen' Sitzungen finden im zugewiesen Raum statt; die Blocksitzungen im Casino. Bitte auch auf Aushänge achten. Als Einführung in die Problematisierung des Gegenstands ›Arbeit‹ eignet sich: Füllsack, Manfred (2009): Arbeit. Wien: facultas.wuv (UTB). Eine filmwissenschaftliche Perspektive eröffnet: Hediger, Vinzenz (2007): Thermodynamischer Kitsch. Vom Verschwinden der Arbeit im Film. In: Freunde der deutschen Kinemathek e.V. (Hg.): Work in Progress. Kinematografien der Arbeit. Theorie, Kinopraxis, Filmindex. Berlin: b_books. Literatur- und kulturwissenschaftliche Analysen zum Gegenstand ›Arbeit‹ bieten: Erdbrügger, Torsten/Nagelschmidt, Ilse/Probst, Inga (Hg.) (2013): Narrative der Arbeit – Arbeits- kulturen in medialer Reflexion. Berlin: Frank & Timme. Erdbrügger, Torsten/Nagelschmidt, Ilse/Probst, Inga (Hg.) (2014): Arbeit als Narration. Essen: Klartext (erscheint Okt./Nov. 2014). Colin, Nicole/Schößler, Franziska (Hg.) (2013): Das nennen Sie Arbeit? Der Produktivitätsdiskurs und seine Anschlüsse. Heidelberg: Synchron (Amsterdam German Studies). Germanistik Universität Duisburg-Essen SoSe 2015 Professor Parr Rolf