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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Übung Brecht intermedial

In vielfacher Weise geht die Literatur eine Verbindung mit anderen Kunstformen ein, beispielsweise im Lied (Text und Gesang) oder in der Theaterinszenierung (Text und Schauspiel). Im Verlaufe des 20. und des 21. Jahrhunderts haben sich zudem intermediale Formen der Literatur...

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In vielfacher Weise geht die Literatur eine Verbindung mit anderen Kunstformen ein, beispielsweise im Lied (Text und Gesang) oder in der Theaterinszenierung (Text und Schauspiel). Im Verlaufe des 20. und des 21. Jahrhunderts haben sich zudem intermediale Formen der Literatur etabliert, in denen literarische Texte mit neuen Medien wie dem Radio (Hörspiel), dem Fernsehen (Drehbuch als Vorlage für Filme) oder dem Internet (Litblogs) zusammengehen. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Literaturwissenschaft, nach dem Stellenwert und der Transformation literarischer Texte in intermedialen Zusammenhängen zu fragen. Dieser Aufgabe werden wir uns am Beispiel von Bertolt Brecht widmen, der u.a. für die Bühne, das Radio, den Film und für Musiker schrieb. Im ersten Teil des Seminars werden wir uns einerseits mit aktuellen Theorien der Intermedialität beschäftigen und andererseits in einem Vorgriff auf unsere Brecht-Analysen mit Walter Benjamins Reflexionen über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1935) eine zeitgenössische Medientheorie kennenlernen. Im Zentrum des Seminars wenden wir uns dann exemplarisch Brechts Schaffenszeit vor seinem Exil zu, im Zentrum stehen sein Lyrikband Bertolt Brechts Hauspostille (1927), sein Stück Die Dreigroschenoper (1928), der Film Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? (1932), an dessen Drehbuch Brecht mitschrieb, und seine theoretischen Schriften zum Radio. Schließlich sollen auch intermediale Auseinandersetzungen mit Brecht und seinen Werken thematisiert werden, die bis in die Gegenwart reichen: Von der Adaption seines Alabama Song (u.a. 1967 von The Doors) über den Film Abschied. Brechts letzter Sommer (1999) bis hin zu aktuellen Inszenierungen seiner Stücke, die wir uns nach Möglichkeit vor Ort ansehen werden. Ziel des Seminars ist es, am Beispiel Brechts die spezifischen Modifikationen poetologischer Konzeptionen und literarischer Texte in intermedialen Zusammenhängen zu analysieren und auf diese Weise ein medientheoretisch fundiertes Literaturverständnis zu entwickeln. Es ist obligatorisch, dass Sie die folgenden Texte anschaffen und bereits vor Seminarbeginn eingehend studieren (achten Sie bitte auf die genauen Ausgaben, die recht günstig sein sollten): • Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit: Drei Studien zur Kunstsoziologie (stw 4196, 2010); • Bertolt Brechts Hauspostille: Mit Anleitungen, Gesangsnoten und einem Anhange (st 3041, 1999); • Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper: Der Erstdruck 1928: Text und Kommentar (Suhrkamp BasisBibliothek 48, 2005). Weitere Texte werden Ihnen im Online-Semesterapparat zur Verfügung gestellt. Zudem können Sie gerne bereits die genannten Filme und Songs über die einschlägigen Videoportale bzw. mit Hilfe der entsprechenden DVDs sichten. Germanistik Eine erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt eine intensive Lektüre der Primärliteratur, ein Interesse an anspruchsvollen theoretischen Fragestellungen und eine hohe gedankliche Flexibilität in der Auseinandersetzung mit intermedialen Erscheinungsweisen literarischer Texte voraus. Da wir uns nach Möglichkeit mit aktuellen Brecht-Inszenierungen beschäftigen werden, sollten Sie mindestens einen zusätzlichen Abendtermin einkalkulieren. Die Bedingungen für die erfolgreiche Teilnahme am Seminar, etwaige Leistungsnachweise oder Modulabschlussprüfungen werden in der ersten Sitzung am 10. April 2013 bekanntgegeben. Universität Duisburg-Essen SoSe 2013 Dr. Ernst Thomas