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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Übung Deutsch niederländischer Kulturtransfer in der Frühen Neuzeit

Zwischen Renaissance- bzw. Humanismusbewegung und Barockzeit sieht man sich in deutschen Landen im europäischen Kulturvergleich gerne in einer Defizitposition. Die Niederlande stellen seinerzeit hingegen – ähnlich wie Italien, Spanien und Frankreich – eine wichtige Bezugsgröße kultureller Orientierung dar. Entsprechend gibt...

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Zwischen Renaissance- bzw. Humanismusbewegung und Barockzeit sieht man sich in deutschen Landen im europäischen Kulturvergleich gerne in einer Defizitposition. Die Niederlande stellen seinerzeit hingegen – ähnlich wie Italien, Spanien und Frankreich – eine wichtige Bezugsgröße kultureller Orientierung dar. Entsprechend gibt es in weiten Bereichen der Wissenschaften und Künste einen lebendigen, teils auch beidseitigen Kulturtransfer. Das Seminar nimmt die einschlägigen Austauschdynamiken und Abgrenzungsstrategien exemplarisch anhand von markanten kultur-, sprach- und literaturhistorischen Interaktionsphänomenen zwischen beiden Kulturkreisen in den Blick. Das Spektrum reicht dabei von Prozessen sprachlicher Beeinflussung über Perspektiven einer vergleichenden Literaturgeschichte bis zur Bildung und Reflexion von Nationalstereotypen. In den Gegenstandbereich fallen damit bedeutende Orte wie etwa die Universität Leiden als wichtiger Knotenpunkt des akademischen Kulturtransfers oder Amsterdam als eines der Zentren des Buchdrucks für den europäischen Markt, wirkungsmächtige Institutionen wie die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC), der sich auch viele Deutsche anschlossen, kulturübergreifende Diskurse wie z.B. die barocke Tulpenmanie oder zündende Intertextualitätsimpulse, die sich beispielsweise über Brückenschläge von der Poetik des Martin Opitz zu Daniel Heinsius oder den schlesischen Trauerspielen eines Andreas Gryphius zu Joost van den Vondel ergeben. Besondere Bedeutung kommt dem Wissenstransfer durch Übersetzungen zu, etwa in den medizinisch-naturwissenschaftlichen Schriften oder in den Reiseberichten aus fremden Kontinenten. In den Lektürehorizont der Veranstaltung gehören dabei u.a. landeskundlich interessierte Kompendien (z.B. Sebastian Francks Weltbuch, Spiegel und Bildnis des ganzen Erdbodens, 1534), deutsche Berichte über niederländische Reiseunternehmungen (z.B. Jürgen Andersens und Volquard Iversens Orientalische Reise-Beschreibungen, 1669) oder auch ein satirischer Roman wie Grimmelhausens Das wunderbarliche Vogelnest (1675), der im zweiten Teil von den abgrundtief sündigen Schelmenstücken eines deutschen Kaufmanns in Amsterdam erzählt. Nicht zuletzt werden anhand von solchen Quellen auch methodisch-theoretische Fragen des Kulturtransfers im Seminar erörtert. Bitte lesen Sie bis zum Semesterbeginn den Artikel -Kulturtransfer im Zeichen des Gouden Eeuw- von Michael Rohrscheider, der bereits im virtuellen Semesterapparat zum Seminar als Scan zur Verfügung steht (Passwort: -Amsterdam-). Lektüre zur Vorbereitung: • Michael Rohrschneider: Kulturtransfer im Zeichen des Gouden Eeuw: Niederländische Einflüsse auf Anhalt-Dessau und Brandenburg-Preußen (1646-1700). In: Erdmut Jost, Holger Zaunstöck: Goldenes Zeitalter und Jahrhundert der Aufklärung: Kulturtransfer zwischen den Niederlanden und dem mitteldeutschen Raum im 17. und 18. Jahrhundert. Halle 2012, S. 17-31. Ausgewählte Forschungsliteratur: • Ulrich Bornemann: Anlehnung und Abgrenzung. Untersuchungen zur Rezeption der niederländischen Literatur in der deutschen Dichtungsreform des 17. Jahrhunderts. Assen, Amsterdam 1976. • Ferdinand van Ingen: Holländisch-deutsche Wechselbeziehungen in der Literatur des 17. Jahrhunderts. Bonn 1981. • Guillaume van Gemert, Hans Ester (Hg.): Grenzgänge. Literatur und Kultur im Kontext. Amsterdam, Atlanta 1990. • Jan Konst, Inger Leemans, Bettina Noak (Hg.): Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen 1600 – 1830. Göttingen 2009. • Erdmut Jost, Holger Zaunstöck: Goldenes Zeitalter und Jahrhundert der Aufklärung: Kulturtransfer zwischen den Niederlanden und dem mitteldeutschen Raum im 17. und 18. Jahrhundert. Halle 2012. Germanistik Universität Duisburg-Essen WiSe 2014/15 Professor Wesche Jörg