Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Umwelt und Entwicklung Der Globale Süden nach dem Rohstoffboom
Der Beginn des 21. Jahrhunderts war durch einen Rohstoffboom geprägt. Die Weltmarktpreise für verschiedene natürliche Ressourcen (Erdöl, Erdgas, Eisen, Kupfer, Gold, Soja, Palmöl etc.) erreichten neue Höchststände und lösten in vielen Rohstoffländern des Globalen Südens eine Goldgräberstimmung aus. Galt die...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Beginn des 21. Jahrhunderts war durch einen Rohstoffboom geprägt. Die Weltmarktpreise für verschiedene natürliche Ressourcen (Erdöl, Erdgas, Eisen, Kupfer, Gold, Soja, Palmöl etc.) erreichten neue Höchststände und lösten in vielen Rohstoffländern des Globalen Südens eine Goldgräberstimmung aus. Galt die Konzentration auf den Rohstoffexport bis Ende des 20. Jahrhunderts noch als veritabler entwicklungspolitischer Fluch, mehrten sich erneut Hoffnungen, dass die Ausrichtung auf die Intensivierung des Exports von natürlichen Ressourcen nun Entwicklungsblockaden brechen und den Weg zu gesellschaftlichem Wohlstand und sozialer Teilhabe ebnen würde. Dieser neue Rohstoffoptimismus schien sich auch empirisch zu bestätigen: Viele Rohstoffstaaten des Globalen Südens erzielten hohe Wachstumsraten und konnten diese oft mit bemerkenswerten sozialen Entwicklungserfolgen kombinieren. Allerdings stimmt die Beobachtung, dass der Einbruch der Rohstoffpreise seit 2014 gegenwärtig viele der jüngsten Entwicklungserfolge erneut in Frage stellt ebenso wie die negativen sozial-ökologischen Konsequenzen der Ressourcenextraktion skeptisch gegenüber der mittel- und langfristigen Nachhaltigkeit der Entwicklungsstrategie Rohstoffexport. Das Ende des Booms erfordert somit eine Aktualisierung der Debatten über Umwelt und Entwicklung.
Im Zentrum des Seminars steht die Diskussion der Möglichkeiten und Grenzen rohstoffbasierter Entwicklungsmodelle. Dafür wird zunächst die Rolle des Globalen Südens als Rohstofflieferant für die Weltwirtschaft zunächst historisch und theoretisch analysiert. Im zweiten Teil des Seminars werden anschließend die Auswirkungen der Rohstoffabhängigkeit auf Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Ökologie theoretisch und am Beispiel von aktuellen Fallstudien sowie mit Fokus auf die Entwicklungen nach dem Ende Ressourcenbooms diskutiert. Abschließend wird das Seminarthema aus einer Perspektive der Nord-Süd-Beziehungen mit aktuellen (umwelt-)politischen Debatten in Europa verbunden und die Frage nach politischen Alternativen zum rohstoffintensiven Wachstums- und Wohlstandsmodell gestellt.
Burchardt, Hans-Jürgen / Dietz, Kristina / Öhlschläger, Rainer (2013): Umwelt und Entwicklung im 21. Jahrhundert: Neue Analysen und Impulse aus Lateinamerika. Baden-Baden: Nomos.
Fischer, Karin / Jäger, Johannes / Schmidt, Lukas (2016): Rohstoffe und Entwicklung. Aktuelle Auseinandersetzungen im historischen Kontext. Wien: New Academic Press.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2016/17
Politikwissenschaften
Dr.
Peters Stefan