Uni-München
14. März 2017Seminar und Lektürekurs Tyrannenmord
In der abendländischen Tradition der politischen Philosophie steht die Tyrannis für die schlechteste Regierungsform überhaupt. Doch wie lässt sie sich überwinden? Darf man einen Tyrannen töten, wenn er nicht freiwillig auf seine Macht verzichtet? Oder wird durch die legitimierte Selbstjustiz...
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Jetzt Lernplan erstellenIn der abendländischen Tradition der politischen Philosophie steht die Tyrannis für die schlechteste Regierungsform überhaupt. Doch wie lässt sie sich überwinden? Darf man einen Tyrannen töten, wenn er nicht freiwillig auf seine Macht verzichtet? Oder wird durch die legitimierte Selbstjustiz der Bürger jegliche Grundlage für Regierungs- und damit auch Friedensfähigkeit zerstört? Auch jüngere und jüngste Entwicklungen in diversen so genannten Diktaturen zeigen, dass zur Bewältigung des Problems der mutmaßlich ungerechten Herrschaft eines Einzelnen auf Kosten seiner Mitbürger oder Untertanen die gewaltsame Beseitigung des unliebsamen Regenten regelmäßig als attraktive Option wahrgenommen wird, trotz eines prinzipiellen Tötungsverbots.
Im Seminar wird es um diese Frage nach der Legitimität des Tyrannenmordes gehen. Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung wird dabei die -Commedia- Dante Alighieris sein. In seinem Umgang mit den historischen Figuren des Julius Caesar, dem -Tyrannen-, der die römische Republik beendet hatte, und dessen Mördern Brutus und Cassius verdichtet sich der politische Diskurs um Recht und Gerechtigkeit von misslingender, sozialschädlicher Alleinherrschaft und deren gewaltsame Beendigung durch interessierte Betroffene. Wir lesen und diskutieren zunächst die theoretischen Grundlagen vor Dante (in erster Linie die Tyrannen(mord)konzepte von Aristoteles, Cicero, Johannes von Salisbury, Thomas von Aquin, Aegidius Romanus). Dantes politisches Denken, niedergeschrieben vor allem in der -Monarchia- und im -Convivio-, soll uns dann helfen, seine Verdammung der Tyrannenmörder zumindest zu verstehen. Anschließend verschaffen wir uns einen Überblick über die nachfolgende Diskussion, wie sie vor allem in den italienischen Stadtrepubliken der Renaissance meist mit explizitem Bezug auf Dante auflebte, u. a. bei den Florentiner Kanzlern Coluccio Salutati, Leonardo Bruni, Bartolomeo Scala und Niccolò Macchiavelli, darüber hinaus auch bei Bartolus von Sassoferrato, Donato Gianotti und Michelangelo.
Nähere Literaturangaben folgen im Seminar.
Leistungsnachweis
- Hausarbeit ODER (Referat+Ausarbeitung bzw. Ergebnisprotokoll); je nach Vorgabe der/s Dozierenden
- nur, wenn der Kurs innerhalb des WP 5 oder WP 6 im BA-Nebenfach Philosophie (aktuelle Prüfungsordnung) oder im EWS belegt wird: Referat ODER Protokoll ODER Essay, je nach Vorgabe der/s Dozierenden
Anmeldung
Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich.
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DateinameBeschreibunggültig vongültig bis
DANTE INF TYRANNEN.pdf Tyrannen im Inferno
SUETON_DIVUS IULIUS.pdf Das Leben Caesars (Sueton)
Aristoteles_Politik.pdf Aristoteles: Politik, Bücher III, IV und V
Platon_Politeia VIII.pdf Platon: Über die Ungerechtigkeit
Platon_Politeia IX.pdf Platon: Der tyrannische Mensch
Xenophon_Hieron_de.pdf Xenophon: Der unglückliche Tyrann
Cicero_de officiis_III.pdf Cicero: Naturrecht vs. Tyrannis
Policraticus_Buch VIII .pdf Johannes von Salisbury: Tod dem Tyrannen
Thomas von Aquin_Ueber das Koenigtum.pdf Thomas von Aquin: Über das Königtum
DANTE_MONARCHIA.pdf Dante: Die Notwendigkeit des Alleinherrschers
Salutati_Über den Tyrannen.pdf Salutati: Gesetzeskraft und Tyrannenmord
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Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
- Hausarbeit ODER (Referat+Ausarbeitung bzw. Ergebnisprotokoll); je nach Vorgabe der/s Dozierenden
- nur, wenn der Kurs innerhalb des WP 5 oder WP 6 im BA-Nebenfach Philosophie (aktuelle Prüfungsordnung) oder im EWS belegt wird: Referat ODER Protokoll ODER Essay, je nach Vorgabe der/s Dozierenden
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Dr.
Kaiser Christian