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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Venedig als mittelalterliche Handels und Kolonialmacht

Bereits die frühesten Quellen über Venedig aus dem 6. Jahrhundert zeigen die Lagunenbewohner als militärisch ambitionierte Seefahrer, die Byzanz im Kampf gegen die Ostgoten unterstützten. Von der engen Verbindung mit dem Byzantinischen Reich profitierten sodann auch die Salinenbesitzer und Händler...

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Bereits die frühesten Quellen über Venedig aus dem 6. Jahrhundert zeigen die Lagunenbewohner als militärisch ambitionierte Seefahrer, die Byzanz im Kampf gegen die Ostgoten unterstützten. Von der engen Verbindung mit dem Byzantinischen Reich profitierten sodann auch die Salinenbesitzer und Händler der Inselsiedlung, die am Schnittpunkt des Warenhandels zwischen östlichem Mittelmeer und dem west- und nordeuropäischen Festland lag. Diese drei Aspekte prägten die gesamte mittelalterliche Geschichte Venedigs: Als Seefahrer und Schiffsbauer schufen die Venezianer die größte mittelalterliche Schiffsflotte nach der chinesischen und wurden durch skrupellose Anwendung militärischer Gewalt zur beherrschenden Seemacht des Mittelmeeres. Als Fernhändler gründeten sie Handelststützpunkte in allen wichtigeren Städten vom östlichen Mittelmeerraum über das Schwarze Meer bis nach Persien und unterhielten enge diplomatische Kontakte zu westlich-lateinischen, byzantinischen wie islamischen Mächten. Als frühe Vasallen des byzantinischen Reichs orientierten sie sich nicht nur an der Kultur des großen Vorbilds, sondern bemühten sich ebenso, das schwächelnde Reich im merkantilen Bereich zu beerben und politisch zu überwinden. Mit der Umlenkung des Vierten Kreuzugs nach Konstantinopel, der Eroberung der Stadt und Zerschlagung des byzantinischen Reichs 1204 gelang Venedig der Aufstieg zu einem Mittelmeerimperium, das nicht nur auf einem Netzwerk von Handelsstützpunkten, sondern auch auch auf kolonialen Besitzungen in Kreta, auf den griechischen Inseln, auf der Peleponnes und im Schwarzmeerraum basierte. In diesem Seminar sollen die Strukturen des Handelsnetzwerkes, das Wesen der Kolonialherrschaft, die Bedeutung der venezianischen Schifffahrt und die militärischen Auseinandersetzungen, insbesondere mit Venedigs ewiger Konkurretin Genua, untersucht werden, um ein Bild von den Machtpositionen Venedigs innerhalb der komplexen Beziehungen im mittelalterlichen Mittelmeerraum zu gewinnen. Einführende Literatur: Gerhard Rösch, Venedig. Geschichte einer Seerepublik. Stuttgart 2000. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2012/13 Geschichte Dr. Mersch Margit