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Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar Von Kröten Fledermäusen Affen und Käfern Schwellentiere in Literatur Film und Comic

Die Fledermaus ist ein Zwitterwesen, sie ist weder Vogel noch Maus – was ihr bereits in Äsops antiker Fabel ermöglicht, das gefräßige, aber in starren Ordnungen verhaftete Wiesel zu uberlisten. Zwitterhaft ist nicht nur ihr Körper, das Zwielicht ist geradezu...

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Die Fledermaus ist ein Zwitterwesen, sie ist weder Vogel noch Maus – was ihr bereits in Äsops antiker Fabel ermöglicht, das gefräßige, aber in starren Ordnungen verhaftete Wiesel zu uberlisten. Zwitterhaft ist nicht nur ihr Körper, das Zwielicht ist geradezu ihr Element: als Geschöpf der Dämmerung und der Nacht ist sie eine klassische Figuration des Unheimlichen, und nicht von Ungefähr eine der Gestalten des Vampirs. Auch der Affe ist so ein -Doppelartiges- (wie etwa Herder schreibt), denn er steht auf der Schwelle zwischen Tier und Mensch. Und nicht erst seit Darwins Evolutionstheorie verwirrt der Affe die klare Trennung zwischen Tier und Mensch. Gerade deshalb findet ihn nicht nur Herder, sondern bereits Aristoteles und Augustinus äußerst hässlich – vom Affen geht etwas Ungeheures aus. Und warum ist fur uns z.B. King Kongs Romanze mit der -weißen Frau- und sein Kampf gegen die Helikopter der U.S. Army auch noch in seiner jungsten Kinoadaption so ungeheuer faszinierend? Tiere besetzen nicht nur die Schwellen zwischen verschiedenen Reichen der Natur (Amphibien), zwischen Animalischem und Menschlichem, und als Doppelartige auch die Schwelle zwischen schön und hässlich – sondern etwa auch die zwischen Diesseits und Jenseits (Höllenhund Kerberos und Sphinx) und insbesondere die Schwelle zwischen politisch-gesellschaftlichem Raum bzw. Staat und dem rechtsfreien Raum der Natur. Mit den Schwellentieren steht also stets das zur Verhandlung, was wir Kultur, Staat, Wissen, Ich, Kunst – oder abstrakter: Ordnung nennen. Das Seminar geht den verschiedenen Schwellentieren und ihren Figurationen in ausgewählten literarischen Texten, Filmen und Comics nach und ubt unter Zuhilfenahme verschiedener theoretischer Texte mögliche Zugangsweisen sowie Verfahren der Text- und Medienanalyse ein. Die dazu unerlässliche Fähigkeit der wissenschaftlichen Thesenbildung und Argumentation wird dabei sowohl mundlich in den Seminargesprächen, als auch schriftlich geubt: Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer (die/der eine Studienleistung bzw. AT erwerben will) hat die Aufgabe, mehrere kurze Thesis-Statements zu verschiedenen Seminarsektionen zu verfassen, die dann im Plenum gemeinsam diskutiert werden. Die im Seminar erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten können fur den Abschluss des Moduls in einer Hausarbeit unter Beweis gestellt werden. Das Seminar ist auch fur Studierende der Angewandten Literatur- und Kulturwissenschaften geeignet. Empfohlene Lekture: Äsop: Fabeln. Die Fledermaus. (zum Reinlesen online, z.B. via gutenberg.spiegel.de) Johann Wolfgang Goethe: Reineke Fuchs. Reclam, 1986. Franz Kafka: Die Verwandlung. Suhrkamp, 2009. Weitere Literatur wird zu Beginn des Seminars bekanntgegeben. Deutsch LABG2009 SoPä Technische Universität Dortmund SoSe 2014 Deutsch LABG2009 HRG Güsken Jessica