Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Wie normannisch waren die Normannen Herrschaft Kultur und Mobilität 10 13 Jh
Heidnische Beutefahrer aus Skandinavien, die Wikinger oder Nor(d)mannen genannt wurden, machten im 9. und 10. Jahrhundert die Küsten des fränkischen Reichs und Britanniens unsicher. Im frühen 10. Jahrhundert ließen sich in Nordwestfrankreich mehrere Gruppen solcher Seeräuber nieder und eine dieser...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenHeidnische Beutefahrer aus Skandinavien, die Wikinger oder Nor(d)mannen genannt wurden, machten im 9. und 10. Jahrhundert die Küsten des fränkischen Reichs und Britanniens unsicher. Im frühen 10. Jahrhundert ließen sich in Nordwestfrankreich mehrere Gruppen solcher Seeräuber nieder und eine dieser Niederlassungen entwickelte sich zu dem christlichen westfränkischen Herzogtum von Rouen, aus dem die Normandie erwuchs. Adelige dieser Region waren im 11. Jahrhundert in englische Thronstreitigkeiten involviert und rissen 1066 die Herrschaft über Britannien an sich. Andere waren als Söldner bis nach Süditalien gezogen und etablierten 1112 im damals noch byzantinischen Apulien/Kalabrien sowie auf den von Muslimen eroberten Inseln Malta und Sizilien das gleichnamige Königreich, das 1189 an die Staufer überging. Zudem entstanden sizilische Kolonien in Tunesien, auf Korfu und Kefalonia. Während das anglo-normannische Königreich spätestens nach dem Verlust der Normandie an die Anjou 1204 ein Ende fand bzw. in einem veränderten England aufging, eroberte Bohemunt von Tarent aus dem normannischen Süditalien im ersten Kreuzzug Antiochia in Nordsyrien und schuf dort ein Fürstentum, das erst 1287 von den Muslimen zurückerobert wurde.
All diese Entwicklungen mit ihren Unterschieden hinsichtlich der Herrschaftsformen, der religiösen Ausrichtung, der kulturellen Prägung und auch der ethnischen Zusammensetzung werden üblicherweise zur Geschichte der Normannen zusammengefasst.
In diesem Seminar soll -das Phänomen Normannen- unter die Lupe genommen werden. Dabei werden zentrale Thesen und Prämissen der historischen Forschung kritisch zu hinterfragen sein: Handelte es sich um eine gens, ein -Volk-, und kann von Ethnogenese gesprochen werden? Gab es eine normannische Identität und welche Rolle spielten Fremd- und Selbstdarstellungen? Waren die betreffenden Herrschaftsgebiete ethnisch, kulturell und/oder religiös hybrid und wie sah der -normannische- Beitrag aus?
Einführende Literatur:
Plassmann, Alheydis, Die Normannen. Erobern - herrschen - integrieren, Stuttgart 2008.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2011/12
Geschichte HF
Dr.
Mersch Margit