Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Wirtschaftsweisen in Amazonien und nachhaltige Entwicklung
Es werden die unterschiedlichen Wirtschaftensformen untersucht, die sich in Amazonien entwickelt haben und für die Beurteilung der Zukunft der Region entscheidend sind. Zum einen wird auf die Wirtschaftsformen indigener und anderer traditioneller Bevölkerungsgruppen eingegangen. Aufgeräumt werden soll mit Klisches und...
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Jetzt Lernplan erstellenEs werden die unterschiedlichen Wirtschaftensformen untersucht, die sich in Amazonien entwickelt haben und für die Beurteilung der Zukunft der Region entscheidend sind. Zum einen wird auf die Wirtschaftsformen indigener und anderer traditioneller Bevölkerungsgruppen eingegangen. Aufgeräumt werden soll mit Klisches und längst überholten Beschreibungen und Analysen in der wissenschaftlichen (vor allem anthroplogischen) Literatur. Im Bezug auf ihre Marktartikulation stellen diese Bevölkerungsgruppen keinen einheitlichen Block dar, sondern es haben sich vielfältige Artikulationsformen mit der Marktwirtschaft herausgebildet, bei denen kollektiven Nutzungsrechten, familienbezogenen Produktions- und Verteilungseinheiten, der Verflechtung von Subsistenz- und Marktproduktion und einer näher zu bestimmenden Land-Stadt-Beziehung eine wesentliche Bedeutung zukommt. Diese Neupositionierung des traditionellen Wirtschaftens hat zudem Auswirkungen auf die Bildung neuer sozialer Organisationsformen. Es werden in diesem Rahmen theoretische Ansätze der Entwicklungssoziologie und Anthroplogie diskutiert und auf ihre Tauglichkeit im Bezug auf gesellschaftliche Gruppen Amazoniens untersucht. Zum anderen soll auf das Wirtschaften der schnell wachsenden städtischen Bevölkerung Amazonien eingegangen werden, ein Aspekt, der in der neueren Forschung weitgehend unberücksicht geblieben ist. Nicht nur die seit Jahrzehnten bestehenden Städte (in Peru: Iquitos, Pucallpa, Pto. Maldonado) wachsen beständig, sondern es bilden sich immer neue städtische Zentren entlang neuer Strassen und der grossen Flüsse heraus. Da sich eine Instrustrialisierung der Ressourcen nur in Ansätzen entwickelt hat und der staatliche Sektor nur begrenzt Arbeitskräfte absorbiert, stellen sich Fragen nach dem Wirtschaften dieser Bevölkerung (wie überlebt die Masse der städtischen Bevölkerung ohne ein breites Angebot formeller Arbeitsplätze?) sowie gesellschaftlichen und Umweltaspekten dieses Prozesses.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WS 2006/2007
Soziologie
Dr.
Rummenhöller Klaus